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Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Hörproben
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Interview zum HammerflügelSüddeutsche Zeitung München, Mittwoch, 14. September 2005 Statt Pauken Trommeln
Gerrit Zitterbart: Die alten Instrumente haben eben ihre Patina. Sie sind wie gut abgelagerter Wein, klingen noch sehr frisch und knackig, so wie sie zu ihrer Zeit klangen. Mich reizt seit meiner Studentenzeit die Vielfalt des Klangs, ich habe schon früh auch am Cembalo gesessen. Dann bin ich bei Mozart und Beethoven in die Lehre gegangen, wenn man so will, und habe ein Gespür bekommen für diesen Klang, dafür, wie Beethoven seine Schreibweise ändert, wie die Komponisten genau für diese Instrumente ihre Musik geschrieben haben. Der junge Beethoven komponierte etwa bis zum Jahr 1803 für ein Walter-Instrument, der Beethoven der mittleren Jahre für den Erard-Flügel. Den Broadwood aus England hat der taube Meister gar nicht mehr gehört. Ich frage mich immer: Warum hat er das so geschrieben, wie kriege ich das zum Klingen? SZ: Die Klang- und Hörkultur damals war eine völlig andere als heute. Wie hat sich die historisierende Klavierkultur von heute entwickeln können? Zitterbart: Man kann feststellen: Jede Stadt hatte einmal ihre eigenen Klavierbauer. Das ist vorbei. Nun, zuerst gab es die alten oder nachgebauten Blockflöten, Cembali und Geigen, danach kam das Klavier an die Reihe. Das war viel schwieriger. Man musste erforschen, wie die Saiten in ihrem Material beschaffen waren: die Güte des Stahls, die Oxidationsart. Erst heute kann zum Beispiel Malcolm Rose in England die historischen Saiten genau nachbauen. Das ist allerdings nur bis 1830 relevant, für die Zeit danach gibt es noch genügend Originalsaiten. Das andere wesentliche Problem steckt in den Hämmerchen, die die Saiten anschlagen. SZ: Verändert sich neben der Klangfarbe und dem, Charakter eines Stücks nicht sogar seine Gestalt? Zitterbart: Alfred Brendel hat einmal gesagt: jede Schubert-Sonate auf einem modernen Flügel ist wie die Transposition des Stücks. Er selbst spielt lieber auf dem modernen Instrument. SZ: Wie teilen Sie das Musizieren ein, welche Instrumente spielen Sie? Zitterbart: Ich bestreite etwa fünfzig Prozent meiner musikalischen Tätigkeit auf dem Hammerflügel, und mein frühestes Instrument ist ein Silbermann-Flügel von 1749, ein jüngstes ein Streicher-Flügel aus Wien von 1870. SZ: Wie verhält es sich bei der Kammermusik, bei Duo-Sonaten oder Trios? Zitterbart: In der Kammermusik verliert man am Hammerflügel alle bekannten Balanceprobleme zwischen dem Klavierpart und den Streichinstrumenten. Der Walter-Flügel klingt eben schlanker, schärfer als der moderne Steinway. In allen dynamischen Belangen kann man viel vertrauter miteinander umgehen als beim modernen Flügel, Sforzati sind nicht wirklich laut und doch deutlich hörbar. Dicke Akkorde, etwa in Schuberts B-Dur-Trio, bleiben völlig durchsichtig. SZ: Wie ist Ihre Erfahrung mit der historischen Spielpraxis beispielsweise bei Chopin oder Brahms? Zitterbart: Im Paris Frédéric Chopins war der Klang ungefähr wie heute. Der Unterschied zwischen den Instrumenten in Paris und Wien war aus einem bestimmten Grund gravierend: In Paris gebrauchte man schon seit 1826 für die Hämmerchen im Flügel den Filz, in Wien blieb es bei der Lederbespannung. Wien war instrumententechnisch gesehen eine Insel, in der Wiener Mechanik waren Taste und Hammer beispielsweise verbunden. Wenn ich eine Brahms-Klaviersonate auf dem alten Instrument spiele, dann wird der perkussive Anteil in dieser Musik erst richtig hörbar. SZ: Charakterisieren Sie bitte einmal das andere, historisierende Klangideal beim Mozart- und Beethoven-Spiel. Zitterbart: Bei Mozart erreiche ich große klangliche Differenziertheit etwa beim Stakkato-Spiel. Bei Beethoven ist der tiefere, dunklere Legato-Klang besonders leicht. Die Begleitfiguren im Bass in der »Pathétique«-Sonate etwa klingen tatsächlich wie eine Trommel, während es beim Spiel auf dem Steinway Pauken sind, die geschlagen werden. Der moderne Klang tönt dumpfer, beim historischen Flügel gibt es ein viel reicheres Obertonspektrum, Helligkeit im Klang. Interview: Wolfgang Schreiber |
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