Konzertkritiken

Göttingen Februar 2010
Verträumte Nachtstücke und Mazurken

Vor 200 Jahren, am 1. März 1810 oder vielleicht auch einen oder zwei Tage früher, wurde Frédéric Chopin geboren. Seine Musik ist der Inbegriff romantischer Klavierkunst. Gedenkkonzerte sind in diesen Tagen keine Mangelware – doch der Pianist Gerrit Zitterbart hatte sich für sein Konzert am Donnerstag im Göttinger Goethe-Institut einen etwas anderen Schwerpunkt gewählt.
„Der Weg zu Chopin“ hieß der Abend, bei dem angesichts des großen Publikumszuspruchs die Stühle im Saal kaum ausreichten. Auf dem Programm standen neben Werken Chopins Klavierstücke seines Lehrers Józef Elsner, des Iren John Field, der die Gattung des Nocturnes erfunden hat, sowie Musik der Chopin-Altersgenossen Mendelssohn und Schumann.
Ausgesprochen spannend erwies sich die musikalische Sprache, die Elsner in seiner D-Dur-Sonate aus dem Jahr 1798 anschlägt. In der Tat finden sich ein paar Berührungspunkte mit der Musik seines späteren Schülers, kleine poetische Aufweichungen der klassischen Strenge, auch folkloristische Töne, wie sie etwa in Chopins Mazurken zu vernehmen sind.
Fields Nocturnes klingen unter Zitterbarts empfindsamem Zugriff sehr zart und nächtlich verträumt – den Zauber und die Tiefe der Chopinschen Nocturnes lassen sie allerdings weitgehend vermissen, was jedoch keine Schuld des Pianisten Zitterbart ist.
In seiner kenntnisreichen Moderation hatte Zitterbart zu Recht auf die sehr individuelle Musiksprache der Chopin-Altersgenossen hingewiesen. Das setzte er in Mendelssohns Fantasie über „The Last Rose of Summer“ und in Schumanns „Abegg“-Variationen pianistisch überzeugend um.
Chopin selbst ließ Zitterbart in drei Werken zu Wort kommen: der bezaubernden Polonaise des Siebenjährigen, dem klangzaubernden cis-Moll- Nocturne des 19 Jährigen und schließlich der großen h-Moll-Sonate aus dem Jahr 1844. Die virtuose Kunst des Pianisten sorgte für uneingeschränkten Hörgenuss. Und als Zugabe für den begeisterten Beifall gab es noch ein Nocturne extra.
Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer

Heiningen, August 2009
Zum 200. Todesjahr Josef Haydns hatte die Kulturinitiative Tonart den Göttinger Hammerflügelspezialisten Gerrit Zitterbart in Kooperation mit dem Internationalen Musikfest Goslar-Harz ins Klostergut Heiningen eingeladen.
Alles passte bei Gerrit Zitterbarts Auftritt vor einem vollen Haus trotz zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen: Der Biedermeiersaal lieferte die perfekte Akustik für die warm einschmeichelnden bis brillant feurigen Klänge seines bestens intonierenden Hammerflügels – eines schon allein optischen Schmuckstückes, das aber auch klanglich keine Wünsche offen ließ.
Darüber hinaus präsentierte sich der Göttinger Pianist mit einem eindrucksvollen Gesamtkonzept, demonstrierte gleich eingangs das Innenleben seines Instruments, indem er vor den Augen seines Publikums die filigranen Tasten der Wiener Mechanik ausbaute, erläuterte Besonderheiten und Geschichte des Instruments und führte dann auf unterhaltsame und lehrreiche Art durch die Programmfolge.
So suggerierte er den alternden Haydn, der sich Abend für Abend seine Lieblingskomposition, die Variationen über "Gott erhalte", Vorform unserer Nationalhymne, vorspielte und ließ sein Publikum daran teilhaben. Solche Spätwerke kontrastierte Zitterbart immer wieder mit frühen Kompositionen wie der markanten Sonate in e-Moll von 1786, die er dann nach einem Hinweis auf ihre dramaturgischen Momente gekonnt vor seinen Hörern ausbreitete.
Im Aufführungsstil der damaligen Zeit ergriff er Gelegenheiten zu schwungvoll improvisierten Auszierungen, wie sie Haydn seinen virtuosen Interpreten gestattet. Im geschickten Umgang mit Tempi, Pausen und dem per Kniehebel bedienten Moderatorfilz ließ er die kompositorischen Strukturen lebendig hervortreten und erwies sich dabei als Meister überzeugender Gestaltung.
Auch die häufig gespielten Variation in f-Moll erklangen in neuem Licht: leichte Arpeggien, glasklare Figurationen, markante, geradezu symphonische Bässe und eindringliche Gesanglichkeit führten zum spannenden Gesamteindruck.
Das letzte Werk vor der Zugabe charakterisierte Zitterbart mit einem Zitat Mozarts an seinen Vater, hier übertragen auf Haydns Sonate c-Moll. Dies ist ein frühes Cembalowerk von 1771, das erst 1780 im Erstdruck die dynamischen Bezeichnungen für den Hammerflügel erhielt: die Musik solle nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht ausfallen. Damit beschloss der Pianist sein Konzert spielfreudig und mitreißend. Braunschweiger Zeitung

Bielefeld, Januar 2009
Beglückend, dass es so etwas Kostbar Intimes im heutigen Musikbetrieb noch gibt. Ein kleiner Kreis von im Museum Huelsmann versammelten Kennern wusste um die Gunst der (Konzert-) Stunde, den namhaften Tastenmusiker Gerrit Zitterbart am hauseigenen raren Prunkstück, dem historischen Nannette Streicher-Flügel, erleben zu können.
Schon zweimal drei Gesprächskonzerte (mit Schubert und Mozart) hat der Gründer-Pianist des Abegg Trios und Hannoveraner Klavierprofessor in den letzten Jahren hier gegeben. Wieder hatte es ihm die einmalige Gelegenheit angetan, auf diesem 1829 in Wien gebauten „oberschlägigen“ Instrument mit seiner ganz besonderen, glockig farbigen Klangfülle Schubert zu spielen.
Dessen Kunst, aus motivischen Mikroorganismen in oft tänzerisch unterfütterter, Raum greifender Sanglichkeit eine ganze Welt ambivalenter Stimmungen und zerrissener Seelenzustände zu bauen, wurde in der Programmfolge steigernd beleuchtet. Zwei frühe Scherzi und eine Handvoll Tänze (Deutsche, Schottische, Walzer, Galopp) standen wie Petrischalen Schubertscher Inspiration am Konzertbeginn. Minutenstücke zum Hausgebrauch, die sich unter den Händen des Interpreten zu vitalen, klangfarbigen Kleinoden verwandelten und auswuchsen.
In den sechs „Moments musicaux“ erscheint diese rhythmische Erfindungs­- und Impulskraft zu einem halbstündigen Zyklus auskristallisiert und stimmungstief verdichtet. Faszinierend, wie Gerrit Zitterbart die eher tempoverhaltenen Charaktere zwischen karger cis Moll Einkehr und heftiger f Moll Akkordlust ausreizt und in einen nicht auslassenden musikalischen Spannungsbogen einordnet.
Die 40 minütige B Dur Sonate, letzte im gleichzeitig entstandenen Dreierpack aus Schuberts Todesjahr 1828, erklang als kompositorisch geschlossenste, vollkommenste im so ganz eigenen Ton des melancholischen Genies. Lässt sich die grenzenlose, „molto moderato“ auf der Stelle tretende feierlichwehe Sanglichkeit und ihre Gefährdung durch Klangabgründe, Pausen Abrisse, Umbrüche, harmonische Entrückungen intensiver nacherleben als hier?
Meisterlich durchdringt Zitterbart die Gesangsstimmung und Verstörungen des Viersätzers und setzt sie mit Hilfe des Nannette Streicher Flügels ereignishaft in Klang. Die nuancen- und klangreiche Präsenz in den vier mittleren Oktaven kann süchtig machen, und ähnliche Grenzgänge in der tiefsten Basslage (schier seismische Triller, pochende Repetitionen, „herausgeschleuderte“ Einzeltöne) schafft so kein moderner Konzertflügel. In klangdramatischer Hinsicht ist man danach für andere Wiedergaben verdorben; glücklicherweise gibt's die Dreier Konstellation auf CD.
Eine innig erfüllte Andante-Zugabe geleitete die Hörer auf den winterlichen Heimweg.
Neue Westfälische, Michael Beughold

Göttingen Januar 2009
Kompositionen von Franz Schubert hatte der Pianist Gerrit Zitterbart für sein Neujahrskonzert im Göttinger Goethe-Institut vorbereitet. Das Haus in der Merkelstraße war bei diesem Ereignis außerordentlich gut besucht. Recht passend zum Neujahrstag, an dem man einzelne Ereignisse und Aufgaben der kommenden Zeit schon sieht, noch nicht aber, wie sich diese zu einem Ganzen fügen, präsentierte Gerrit Zitterbart am ersten Tag des neuen Jahres Franz Schubert. Der von ihm gewählte Ausschnitt zeigte den Komponisten auf dem Weg von musikalischen Details, die kleinere musikalische Gattungen bestimmen, zur Großform der Sonate, die jene Einzelheiten freilich nicht verwirft, sondern aufhebt. In zwei frühen Scherzi klang bereits schubertsche Schwermut paradox im Spiel auch der hellen Klangfarben an, von Zitterbart mit einfachen Mitteln wie einem eben noch zu spürenden Rubato unterstrichen. Durch sieben Tänzen verwandelten Schubert und Zitterbart das Publikum in eine heitere Abendgesellschaft, wobei der innige Walzer D 844 schon fast als langsamer Mittelsatz einer Sonate durchgehen könnte, ein Eindruck, den Zitterbart mit dem ausgelassen gespielten „Grazer Galopp“ rasch wieder verwischte. Denn diese Etappe sollten die dann folgenden „Moments Musicaux“ zeigen, auf deren „Mantra“ Zitterbart hinwies: eine Stimmung, in die sich Musiker und Hörer versenken. Litt das fragende C-Dur-Moderato noch ein wenig am gleichbleibenden mezzo forte, gewann das Allegro moderato der „Air Russe“ mit einer Andeutung von vorwärtsdrängendem Ungestüm an Esprit. Berührend das Schlussstück, von Zitterbart mit maßvollem Pedaleinsatz in der Balance von Hymnus und Hoffnungslosigkeit gehalten. In der letzten, in Schuberts Todesjahr 1828 komponierten Sonate B-Dur D 960 kulminierten kompositorisches Geschick und reife Darbietung. Im Kopfsatz zeigte sich Zitterbarts Achtsamkeit für musikalische Einzelheiten – was auch Schuberts bisweilen rätselhafte Pausen betrifft –, der langsame Satz schwebte durch unendlich zartes Spiel, gleichsam eine gefällige Atempause verschaffte das Scherzo, bevor der Schlusssatz mit Beethovenscher Wucht daherkam. Dieses Finale gestaltete Zitterbart so packend, als wolle er vollends widerlegen, Schubert habe hier Todesahnung hören lassen wollen: Was so geistreich und kraftvoll ist, kann nur dem Leben zugewandt sein. Die Gäste im zum Bersten vollen Goethe-Institut saßen im Parterre am Kamin, oben im Treppenhaus, man saß und stand auf der Treppe; gemeinsam indes war am Ende allen die Erfahrung: ein so mit Schubert begonnenes Jahr hat glücklich angefangen. Dem begeisterten Applaus konnte nur mit zwei Zugaben abgeholfen werden.
Göttinger Tageblatt, Karl-Friedrich Ulrichs

Göttingen, Dezember 2007: Von Zärtlichkeit und Leidenschaft
Historisch und modern: Gerrit Zitterbart spielt Beethovens „Appassionata“

Unterhaltsame Information und musikalischen Genuss verbinden Gerrit Zitterbarts Klavierabende im Göttinger Goethe-Institut. Kein Stuhl blieb frei, als er dort am Donnerstag Beethovens „Appassionata“ auf modernem Konzert- und historischem Hammerflügel präsentierte.

Neben dem historischen Hammerflügel aus braunem Kirschholz – Nachbau eines Instruments aus der Zeit um 1800 – nimmt sich der moderne schwarze Konzertflügel wie ein Sargmonster aus. Der geöffnete Deckel wirkt wie ein aufgerissenes riesiges Maul, als wolle das Instrument die Zuhörer im nächsten Moment verschlingen.
Doch der Eindruck täuscht. Wenn Pianist Gerrit Zitterbart Beethovens zärtlich-verspielte Variationen über Paisiellos Arie „Nel cor più non mi sento“ auf diesem Ungetüm vorstellt, wird der Flügel friedlich und freundlich, gibt sanfte, singende Töne von sich.
Das ist freilich nur im Ansatz so darstellbar: Beim Wechsel auf den Hammerflügel wird der Klang mit einem Mal ganz durchsichtig, Melodien in tiefen Lagen brummeln nicht in mulmigem Klang, sondern können sich frei gegen den Rest der Töne entfalten.
Aufregende Kammermusik
Nach dieser leichten Vorspeise präsentiert Zitterbart die leidenschaftliche Sonate f-Moll op. 57, die „Appassionata“. Und siehe da, auch hier sind Kraft und Zartheit auf ganz neue Weise gepaart, aus dem gleichsam orchestralen Klang des heutigen Flügels wird eine aufregende Kammermusik, der man es anmerkt, dass sie an ihre ästhetischen Grenzen vorstoßen will. Ein fesselnder Abend, von Zitterbarts klug-gewitzten analytischen Anmerkungen begleitet. Zum Schluss besänftigte der Solist sein begeistertes Publikum mit dem langsamen Satz aus der „Pathétique“ – ein süßes musikalisches Betthupferl.
Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer

Bayreuth, Juli 2007: Schuberts Gedanken, erfasst mit Händen

Gerrit Zitterbart begeisterte mit einem der bewegendsten Werke der Klavierliteratur bei Steingräbers Festival
Bei einem niederländischen Musikantiquar kam man ihn für schlappe 135 Euro erwerben: den Notendruck „Sonaten für das Pianoforte allein. Allerletzte Compositionen. 3. Sonate (in B)“. Dies ist nicht die Erstausgabe, sondern immerhin ein bereits in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts erfolgtes Reprint, beim Wiener Musikverleger Spina gedruckt mit den Platten jener Erstausgabe, die etwa zehn Jahre nach dem Tod des Komponisten bei Diabelli erschienen war.
135 Euro für eine wahrlich weit verbreitete Sonate, das klingt teuer – aber in Wirklichkeit ist die dritte Sonate der „allerletzten Compositionen“ unbezahlbar. Die B-Dur-Sonate D 960 ist ein singuläres, stets von neuem ergreifendes, bewegendes, erschütterndes Werk der Klavierliteratur geblieben. Dies versteht sich nicht von selbst, denn über die Musik entscheidet die Interpretation, nicht der wie und wo auch immer gedruckte Notentext.
Es ist ein Glück, dass Gerrit Zitterbart in einem Gesprächskonzert – dem ersten der Schubert-Trilogie, die bei Steingraebers fünftem Bayreuther Klavierfestival im neuen Kammermusiksaal stattfindet – die drei späten, zyklisch konzipierten Sonaten in drei Gesprächskonzerten verbal und pianistisch deutet. Nebenbei stiftet er die Verbindung zum Festivalkonzert des vergangenen Wochenendes, in dem sich C.W. Müller in einem gleichermaßen bannenden Programm den Zyklus der letzten vier Opusnummern vornahm, den Brahms für das Klavier geschrieben hat.
Eigentümliche Ähnlichkeiten fallen auf, weil Zitterbart sehr schön erläutert, dass, wie Adorno über Schuberts späte Stücke gesagt hat, „das Ganze aus dem Zusammenhang miniaturhafter Elemente aufsteigt“.
Dass alles Geniale einfach sei, wissen wir von Richard Strauss; der Hannoveraner Professor demonstriert es, indem er auf den das B umkreisenden Terz-Quart-Raum verweist, mit dem das Thema des Kopfsatzes der Sonate beginnt. Er verweist auf die Zeit, die in dieser fast obsessiven Raum-Beschreibung als Element zum Klingen gebracht wird. Er weist auf die Pausen, Lücken und fragenden Gesten hin, die immer wieder das scheinbar locker vagierende Gebilde mit Irritationsmomenten, Spannungsstauungen und schließlich mit tonartenmäßig wie innerlich erfahrbaren, erhebenden Glücksaussichten strukturieren. Zitterbart zeigt uns, dass alle – kaum Thema, eher Gedanken zu nennenden – Themen der Sonate nur die Variation des Beginns sind, und dass die verschiedenen Harmonien zugleich neue Farbtöpfe öffnen.
Der Dozent markiert den Schreitrhythmus des Trauermarschs, der unterirdisch zu oft erklingt, als dass es ein Zufall wäre, er spielt das Klopf-Zitat aus Beethovens Fünfter, das wir, derart geschult, später selbstständig im zweiten Satz wiedererkennen, und entdeckt für uns die verschobenen Rhythmen, die zwischen Dur- und Moll beständig changierenden Verläufe. Er spielt uns, Schuberts Orchestrierungskunst andeutend, die Geige, das Cello, die Bratsche vor, er macht uns darauf aufmerksam, dass eine bestimmte, bewegende Stelle des langsamen Satzes klingt, als sänge da ein Männergesangverein der Schubert-Zeit (natürlich nichts anderes als das einfache, doch unvergleichlich verwandelte Primitiv-Gebilde im Vier-Ton-Raum), und er zeigt, dass die schönste Musik auf einer simplen Tonleiter basieren kann.
Die Erläuterungen des Professors aber taugten nichts, bewiese er nicht spielend die Relevanz seiner Analyse. Was im zweiten Teil passiert, ist, im Sinn des Wortes, phänomenal, weil die Theorie bruchlos umgesetzt wird. „Sparsame Gestik, viel Ausdruck“ – so charakterisiert der Dozent Schuberts Musik, und so wird sie vom Musiker realisiert. Zitterbart zaubert aus dem großdimensionierten Steingraeber-Flügel eine kammermusikalische, fast klassizistische Stimmenklarheit heraus. Die stets durchschimmernde Konstruktion dient nur dem einen: dem freien Fluss der Musik.
Der Gefahr allzu großer Reflexionsauslösungen begegnet er mit einer Übersicht, einem unheimlich richtigen Tempo, einer dramatischen, dicht am Notentext orientierten Interpretation, der die Effekthascherei völlig fremd ist. Er stellt die Sonate mit all ihren Geheimnissen, ihren rätselhaften Stellen und elysischen Schönheiten als ein wundersames Gebilde vor, das einer Goldschmiedearbeit ähnelt – und er verwandelt, um nur ein Beispiel zu nennen, die Theorie in die Praxis, wenn er den verbal beschriebenen Terz-Quart-Raum im Spiel zu einem Raum vergrößert, in dem es vier Dimensionen gibt, deren letzte naturgemäß nicht mehr beschreibbar ist: wenn er im Allegretto mit einer fast schumannschen Samttönung eine Fernmusik herausspielt oder einen beethovenianischen Ausbruch verwirklicht, sind wir Zeugen eines wunderbaren Raum-Spiels.
Nicht allein das tieftraurige Andante gerät, selbst in größter Ruhe, sehr spannend. „Schubert hat kein Thema, sondern Gedanken.“ Zitterbart hat Gedanken, die er in einer zwingenden Interpretation „con delicatezza“ vermittelt, ohne sich in „schönen Stellen“ zu verlieren. Selbst im Fall des „Einspielstücks“ und der Zugabe trifft er den richtigen Ton. Mit den „Sechs Deutschen Tänzen“ D 820 und einem der „Letzten Walzer“ D 146 kredenzt er uns am Beginn wie am Schluss einige Tänze, die mehr sind als Konstruktionen aus Rhythmus, Harmonie, Bewegung und Melodie: Schubertsche Gedanken, erfasst unter den Händen eines Pianisten, der weiß, dass gerade die verschattete Kunst ihr Eigenleben erst dann gewinnt, wenn zwischen Konstruktion und Emotion keine Seite eines Notendrucks mehr passt.
Nordbayerischer Kurier, Frank Piontek

Bielefeld Mai 2007: Auf Mozarts Hammerflügel
Eine Gesprächskonzert-Trilogie mit dem renommierten Tastenmusiker Gerrit Zitterbart bot im Museum Huelsmann einen Überblick über das Klavierschaffen Wolfgang Amadé Mozarts. Das ist der wahre Luxus und Hörgewinn für Kenner: Musik auf einem Instrument exakt aus Zeit und Umfeld eines Komponisten zu erleben; zumal wenn es dabei solche bautechnische Vielfalt und rasante Wandlungen gibt wie auf dem weiten Gebiet der Claviere zwischen Spätbarock und Frühromantik.
Interpretierte der Gast hier im Vorjahr Schuberts drei letzte Sonaten auf dem vielgelobten hauseigenen Nanette-Streicher-Flügel von 1829, hatte er nun - sein dem Originalklangmusizieren verpflichteter Verein „Clavier e. V.“ ist gut bestückt - einen Hammerflügel nach Anton Walter (Wien, 1795) dabei, wie ihn Mozart ab 1782 besaß. Die Klangunterschiede zwischen beiden sind hörbar enorm, weitere Erläuterungen zu Bauart und Werkschaffen aufs einnehmendste sinnfällig. Authentischer, lebendiger und meisterlicher als durch den Hannoveraner Klavierdozenten und Gründer-Pianisten des bedeutenden Abegg Trios lässt sich der Mozartsche Klavier- und Ausdruckskosmos kaum darstellen.
Nehmen wir pars pro toto den ersten, ausgewählte Sonaten mit Klavierstücken (die Gattungen Variation und Fantasie folgten) kombinierenden Abend. Entwaffnend im Vortrag ein Dutzend Sätzchen des 5- bis 8-Jährigen: wunderkindliche Spielfreude im Aufbruch vom ersten ungefügen C-Dur-Austesten (KV la) bis zum Johann Christian Bach „abgehörten“ g-Moll-Affetto (KV 15p) im Londoner Skizzenbuch.
Drei Solitäre aus den späten Wiener Jahren offenbarten kongeniale Meisterschaft. Ob er das hell-muntere D-Dur-Rondo-Thema KV 485 unermüdlich und unerschöpflich durchvariiert, im hoch persönlichen a-Moll-Gegenstück KV 511 dem Geheimnis mozärtlicher Ambivalenzen nachspürt oder das ergreifende h-Moll-Adagio KV 540 mit abgründiger Trauermarsch-Haltung erfüllt - Zitterbarts Mozartspiel verbindet ausgereizte Kontraste und ausgefeilte Klangrede zu komplexer Welterfahrung.
Über die Station in der von heiter-gelöst bis überbordend vital angegangenen G-Dur-Sonate KV 283 zur großen c-Moll-Sonate KV 457: Deren aufbäumende Dramatik und Ausdruckspathos lebt und lotet Gerrit Zitterbart, die Spannweite der Klaviatur und Klangfarbenpalette dieses Hammerflügels mit überwältigender Prägnanz nutzend, ereignishaft aus. Allein die drei so extremlagigen Satzschlüsse waren atemberaubend gesetzt. Ganz große Tastenkunst für eine kleine Hörerschar.
Neue Westfälische, Michael Beughold


Hannover Mai 2007: Hintersinnig - Musikalische Parodien im Kanapee
Hannover ohne das Kanapee? Die Musikszene wäre ein Stück ärmer. Die großen Meister der Musik immer nur bierernst? Schrecklich. Abhilfe bot am Pfingstmontag Erwin Schütterle in seiner „Wein- und Konzertsstube“: Gerrit Zitterbart, Pianist und Professor der Musikhochschule, präsentierte sich als Humorist am Klavier und als Moderator mit Witz und Hintersinn. Dabei saßen die Pointen und Wortspielereien ebenso wie manche musikalischen Tücken, denn nicht nur Liszt wurde mit List eingefärbt und durch den musikalischen Fleischwolf gedreht, auch Bach, Bartók, Verdi und Wagner, Schubert und Schönberg standen Pate oder halfen auf die Sprünge.
Und die Verantwortlichen? Das waren Siegried Ochs, der um die vorletzte Jahrhundertwende das Lied „Kommt ein Vogel geflogen“ filetierte und im Stile „alter“ und „neuer“ Tonmeister parodierte. Mittlerweile sind K. H. Pillneys „Variationen“ über „Was tust Du mit dem Knie, lieber Hans“ ebenso Legende wie Joachim Volkmanns „pianistische Maulwurfsarbeit“ (Zitterbart) über „Ein Männlein steht im Walde“ und nicht zuletzt Hans Priegnitz’ zwerchfellerschütternde Fassungen von „Lili Marleen“. Da wurde „Unter der Laterne“ mithilfe von Mozarts „Türkischem Marsch“ ebenso geküsst wie zu Beethovens „Pathétique“. Doch die ultimative Edelschnulze bot erst die Beimischung einer Prise aus Brahms’ „Guten Abend, gut’ Nacht“. Hatte da noch jemand trockene Augen?
Hannoversche Allgemeine Zeitung, Günter Helms


Göttingen Januar 2007: Freuden des Entdeckers
Der erste Schnee in Göttingen – beste Rahmenbedingungen also für einen Klavierabend am Kamin im Goethe-Institut. Zwar blieb das buchstäbliche Feuer (leider) aus, für knisternde Spannung sorgte dennoch Gerrit Zitterbart auf einem Hammerflügel (Kopie nach Anton Walter 1795).
Der Göttinger Pianist wischte dabei das staubige Vorurteil beiseite, das 18. Jahrhundert halte nur Sonaten-Trockenfutter bereit, in dem sich allemal noch Motten wohl fühlen. Zitterbart versteht es, sein Insider-Wissen in leicht verdaulichen Häppchen zu vermitteln ohne dabei zu dozieren.
Entsprechend ist das Hörbild. Sein Spiel klingt nicht so, als zerrte die gesamte Wissenslast der Musikgeschichte an den armen dünnen Notenhälsen. Leicht und duftig kommt Christian Bachs D-Dur op. 5/2 Sonate daher. Eine Göttinger Erstaufführung erlebte darauf die originelle Sonate D-Dur des Bruders Johann Christoph Friedrich Bach, dessen Werk immer noch zu großen Teilen in den Archiven schlummert und der Entdeckung harrt. Mit Hinweisen auf instrumentenbauliche Details erhellte Zitterbart die spezifische Schreibweise des Mozart-Zeitgenossen Muzio Clementi, den viele wohl nur als Verfasser harmloser Etüden kennen. Doch sei die g-Moll Sonate op. 7/3 beileibe „kein Kinderkram, sondern ernsthafte, große Musik“. Tatsächlich ist hier schon eine Vorahnung der Romantik auszumachen – stellenweise müsste man wegen der dunklen Bässe wohl eher von einem Vorbeben sprechen. In zukünftige Ausdrucksregionen wiesen auch Haydns düstere f-Moll-Variationen von 1794. Zitterbart hob vor allem die experimentelle Seite des Werkes hervor. Den inspirierten Tastenvirtuosen konnte er schließlich mit Johann Nepomuk Hummels Sonate f-Moll op. 20 herauskehren, die mit einem fast orchestral anmutenden, rauschenden Final-Presto auftrumpft. Viel Applaus aus voll besetzten Reihen, für den sich Zitterbart mit C. P. E. Bachs Solfeggietto in weltrekordverdächtigem Tempo bedankte.
Göttinger Tageblatt, Matthias Schneider-Dominco


Bielefeld November 2006: Ereignishafter Dreiklang

Es war ein ereignishafter Dreiklang von Werk, Interpret und Instrument, zu dem das Museum Huelsmann an diesem Wochenende den kostbar-intimen Rahmen lieferte: In einer Gesprächskonzert Trilogie präsentierte der renommierte Tastenmusiker Gerrit Zitterbart auf einem historischen Hammerflügel (Wien 1829) die drei in Franz Schuberts Todesjahr 1828 entstandenen letzten Klaviersonaten.
Authentischer und plastischer lässt sich ihr besonderer zyklischer Charakter (Schubert schrieb an allen drei gleichzeitig!) kaum vermitteln. So (vor-)spielerisch-diskursiv der Klavierdozent Zitterbart in kompositorische Eigenarten und Zusammenhänge der Trias einführte, so faszinierend lebendig führte der Gründer-Pianist des seit 30 Jahren erfolgreichen Abegg Trios sie aus: Schuberts existenzieller Zerrissenheit zwischen Todesahnung und Aufbruch im Bewusstsein der Reife, musikalischer "Daheimeligkeit" (im Sanglich-Zustandhaften seiner Melodik) und Sich-fremd-Sein (in unerhörten harmonischen Rückungen und unvermittelten Abbrüchen) ist er ein begnadeter Interpret.
Für ein Klangbild wie zu Lebzeiten des Komponisten sorgte der größte Schatz vor Ort, ein Hammerflügel der seinerzeitigen Wiener Nobelfirma Nannette Streicher, geb. Stein. Wieso der berühmte Fachkollege Andreas Staier einmal bei einem Oetkerhallen-Auftritt vor der (für Schubert zu langsamen?) "oberschlägigen" Mechanik des raren Prunkstücks kniff und lieber in die Steinway Tasten griff, bleibt unerfindlich. Unter Gerrit Zitterbarts Händen lässt selbst ein Allegro vivace con delicatezza zu nehmendes Scherzo nichts an leichtgängiger Schnellkraft vermissen. Dafür fasziniert schon bei der Einstimmung (oder Zugaben) der drei Abende mit Schubert-Tänzen die ganz eigen ausregistrierte und mit enormer Klarheit der Stimmverläufe aufwartende Klangfarbigkeit. In den Sonaten-Welten fallen aus der Kontraoktav herausgeschleuderte Extremtöne oder wenn der Diskant mit filigranätherischen Pianino- bis Zither-Anklängen aufwartet geradezu als Grenzerfahrungen ins Ohr.
Seligkeit und Schmerz, Glück und Verzweiflung
In Gerrit Zitterbarts umgestellter Abfolge erhält die mild strömende Gesanglichkeit in B-Dur (D 960) das erste, die heillos umdüsterte Tarantella-Entfesselung in c-Moll (D 958) das letzte Wort. Ob er wunderbar transformatorisch dem moderaten B-Dur-Pulsschlag folgt oder unvermittelt zwischen den gegensätzlichen Sphären in A-Dur wechselt   er legt die Schubertschen Seelenzustände klangdramaturgisch offen, durchlebt ihre jederzeit ambivalenten Stimmungen und Verstörungen in nuancierter Klanglust. Seine Pausen-Abbrüche reißen senkrechte Abgründe auf, über die die scheinbar trällernd frohgemuten Final-Rondos nur mit gewaltsamer Stretta-Virtuosität zum Ende finden. Nichtsdestoweniger gibt er all den Themengebärden und Klangflächen, Umschwüngen und Doppelbödigkeiten musikalische Stringenz und innere Geschlossenheit. Seligkeit und Schmerz, Glück und Verzweiflung sind in diesem Schubert Spiel zum Greifen nah. Das kleine Kenner-Publikum zollte dem Künstler bewundernden Beifall. Und sein Klangmedium, der Bielefelder Nannette-Streicher-Hammerflügel, würde sich in der langen Liste seiner CD-Aufnahmen sicher ausgezeichnet machen.
Neue Westfälische, Michael Beughold


Coburg, Mai 2006: Spannende Reise durch Klangwelten
Das kennen wir alle: Ein Pianist betritt das Podium, absolviert sein vorgelegtes Programm, nimmt mehr oder weniger huldvoll den Beifall entgegen, sammelt seine letzten Kräfte für eine Zugabe und verabschiedet sich mit unverbindlichen Verbeugungen von seinem Publikum, um in seiner Privatsphäre zu verschwinden.
Nicht so bei Gerrit Zitterbart, jenem Pianisten, dessen Herz am originalen Klavierklang der Klassik hängt. Bei ihm wird ein Klavierabend zu einem eher familiären Beisammensein, wie die Mitglieder und Gäste des Coburger „Verein“ am Montagabend im Foyer der HUK erfreut feststellen konnten. Er benötigte kein Künstlerzimmer, denn er stand vor dem Konzert, in der Pause und auch nach seinem Programm Zur Information und Unterhaltung dem Publikum zur Verfügung.
Doch auch im Rahmen des Konzertes gaben seine Ausführungen den Zuhörern wertvolle Hinweise zu den interpretierten Werken und vor allem zu dem besonderen Instrument, das er mitgebracht hatte. Es handelte sich um einen Nachbau eines Hammerflügels von Anton Walter, Wien 1795. Wolfgang Amadeus Mozart bezog ebenfalls ein Instrument dieses Klavierbauers.
Die Instrumente jener Zeit waren mit Lederhämmern ausgerüstet und anstelle des heutigen Pedals gebrauchte man einen Kniehebel, der zudem ein Moderato-Register mit weicherem Klang schalten konnte. Vor dem modernen Flügel aufgestellt wirkte dieses Instrument umso schlanker und zierlicher, wobei seine äußere Form bereits optisch auf den Klang vorbereitete. Dieser ist schlank, leicht metallisch, etwas schwebend und trotz aller Intimität raumfüllend. Beim Spiel ergeben sich durch veränderte Obertonreihen zuweilen überraschende harmonische Ergebnisse, bis hin zum Zweifel an der Richtigkeit der gewählten Töne.
Die allerdings traf Gerrit Zitterbart bei Wolfgang Amadeus Mozarts drei kleinen Klavierstücken immer. Filigran und geradezu listig gestaltet spielte er zu Beginn das heitere Rondo D-Dur KV 485, dem er das kontrastierend abgedunkelte Rondo a-Moll KV 511 gegenüber stellte. Vollends in die intimeren Bereiche des Komponisten schlich sich der Pianist mit dem Klavierstück h-Moll KV 540, dessen Träumerei er märchenhaft erklingen ließ.
Als zentrales Werk der ersten Konzerthälfte durfte aber Mozarts Sonate c Moll KV 457 gelten, die ebenfalls auf dem historischen Instrument interpretiert wurde. Wer nun glaubte, diese Sonate würde an ihrem dramatischen Gehalt auf dem kleinen Hammerklavier verlieren, wurde getäuscht. Mit gleicher elementarer Gewalt und Vorwärtsdrang bewältigte der Pianist den ersten Satz (Molto Allegro), sang die Elegie des Adagio frei schwingend aus und gab dem abschließenden Allegro assai die nötige Portion Wut mit.
Für Franz Schuberts Sonate B-Dur op. posth. D 960 setzte sich Gerrit Zitterbart an den großen Steinway, der wieder in die aktuelle Klangwelt führte. Diese Sonate stellt höchste Anforderungen an die Klangkultur eines Pianisten, seine Anschlagskunst und seine Fähigkeit der inneren Gliederungen. Bei Gerrit Zitterbart, der das mehr als halbstündige Werk auswendig spielte, fand man all diese Tugenden in reichem Maße.
Spannungsvoller hätte man die Entwicklung des ersten Satzes Molto moderato vom kreisenden Kernthema aus nicht gestalten können. Er gestaltete nicht in Schritten, sondern schuf ineinander fließende Linien, einen Kosmos sich gegenseitig beeinflussender Kräfte und Emotionen. Das Gebäude des folgenden Andante sostenuto erhielt unter seinen Händen eine erstaunliche Statik, auf den Pfeilern der Orgelpunktbässe ruhend. Dem mit Gegenakzenten gespickten Scherzo Allegro vivace folgte der fast apotheotisch wirkende Schlusssatz wie ein musikalisches Vermächtnis des Komponisten.
Wer dem Publikum einen Finger reicht, in diesem Fall ein jugendliches Scherzo von Franz Schubert als Zugabe, muss schließlich die ganze Hand geben. Gerrit Zitterbart gab sie, indem er den zweiten Satz von Mozarts Sonate C-Dur KV 330 zum Vergleich auf beiden Instrumenten darbot.
Neue Presse Coburg, Martin Potyra


Mannheim Mai 2006: Sensibles Hämmern

Er ist 85 Kilo leicht, vier Jahre jung, lässt sich schnell zerlegen und auf einem PKW-Anhänger kutschieren: der Hammerflügel von Gerrit Zitterbart. Er stellt ihn als Kopie eines Wiener Originals von 1795 vor. Mit einem Handgriff zieht er das Manual aus dem Gehäuse, um dem Publikum der Mozart-Gesellschaft Kurpfalz das Innenleben zu zeigen. Wenn die lederbezogenen Hämmerchen die Saiten anschlagen, erzeugen sie kristallene, einzeln perlende Töne, die sich mit der Akustik in Mannheims Schlosskirche bestens vertragen. Der technische Fortschritt macht sich besonders in den Bass-Regionen bemerkbar, die schwere Gänge, Donner-Effekte und gefühlsbetonte Abstürze erlauben.
Aus dieser Tiefe schöpft Zitterbart die Impulse für seinen "Originalklang". Der Hannoveraner Professor relativiert diesen Titel während seiner anschaulichen Einführung; als gewissenhafter Historiker muss er erwähnen, dass die Instrumentenbauer um 1800 unentwegt herumexperimentierten, sodass allenfalls von einem unter vielen Originalklängen die Rede sein kann. Auf den Hammerflügel in Mozarts Geburtshaus ging er leider nicht ein, aber es wird ohnehin deutlich, worauf es ihm ankommt: Zu vergegenwärtigen, wie es sich angehört haben mag, als Mozart die "Gewitter-Zonen" in den Variationen KV 455 und 613 oder in der Sonate KV 333 auskostete. Wer nicht täglich am Hammerflügel sitzt, ist doch sehr empfänglich für die metallischen, perkussiven Verwandlungen des Virtuos-Verschnörkelten und Geistvoll-Unterhaltenden, die Phasen von der nachdenklichen Frage bis zum Bekenntnishaften durchlaufen. Bei Haydns f-Moll-Variationen und e-Moll-Sonate übt sich der Pianist noch in gestalterischer Bescheidenheit. Er konzentriert sich zwar auf Kontraste, teils spritzig, teils strömend. Die Wucht der Bässe behält er sich für Mozart vor.
Mannheimer Morgen


Hirschberg Mai 2006: So leicht zu hören und doch so schwer zu spielen
"Mozart in der Werkhalle" - Erinnerungen drängen sich da ein bisschen auf. Furtwängler und die "Berliner" im Kabelwerk Oberspree, Schostakowitsch und die "Leningrader" ihrer belagerten Stadt. Es ist, bezieht man vergangene Zeiten mit ein, nicht ungewöhnlich, dass Klassik auch in einem ungewohnten Ambiente vermittelt wird. Und doch: Chor- und Kirchenmusik, von der kleineren Formation bis hin zum veritablen Sinfonieorchester, dazu Ballett und Folklore, Pop und Jazz in einer Aufführungsreihe und unter einem Dach stellen eine Novität in der Region dar.
Dass "Musik bewegt", dass "Kinder der Rhythmus dieser Welt" sind, haben viele Mitwirkende in den vergangenen Tagen in der "Goldbeck-Halle" in Hirschberg bewiesen. Ihren Abschluss fand diese Veranstaltungsreihe am Mittwochabend, an dem die Heidelberger Sinfoniker und ihr Dirigent Thomas Fey, zusammen mit dem Pianisten Gerrit Zitterbart, zum konzertanten Ausklang geladen hatten. Fast 400 Besucher fanden sich dazu ein.
Auch die getroffene Auswahl aus Mozarts Œuvre (immerhin hat er 28 Werke für Klavier und Orchester geschrieben) bewegte sich nicht im Bereich des Alltäglichen, des immer-wieder-und-schon-allzu-oft-Gehörten. Mit den beiden, in freundlichem "Dur" stehenden Konzerten KV 413 und 415, entstanden 1782 und 1783 in Wien, hatten die "Heidelberger" sich für eine nicht allzu schwere Kost entschieden. Mozart hat sie, so weit man es weiß, nicht als Auftragsarbeiten geschrieben, sondern sozusagen "auf Vorrat", nachdem er von Graf Arco mit einem Fußtritt aus seiner bisherigen Stellung vertrieben worden war.
Nichts von diesen misslichen Umständen findet sich in Mozarts Musik; heiter und unangestrengt wirkend musizierten das Orchester und der Solist den Allegro-Eingangssatz, ließen ihm einen geradezu "klassisch" anmutenden Larghetto-Satz folgen. Nur wenige und sehr sanfte Akzente zum sensiblen Spiel des Solisten fügte das Orchester hinzu; feiner und ausdrucksvoller kann man Mozart wohl kaum spielen. Das gilt auch ohne Einschränkung für den abschließenden Menuetto-Satz; eine feine, weich klingende Arbeit mit gut gesetzten und dennoch nie dramatisierten Akzenten.
Noch etwas mehr an Klang und Volumen zeigte das Orchester im zweiten Werk des Abends, im Klavierkonzert KV 415. Wahrhaft "mit Pauken und Trompeten", die jetzt hinzugekommen waren - fülliger wurde der Klang, ohne die Charakteristik Mozartscher Musik zu verlassen. Verhalten die ersten Takte, um dann in eine mächtige Tutti-Passage zu münden - ein Auftakt, der über brillante Soli zu eindringlich, aber nie "massig" wirkenden Orchesterpartien führte. Geradezu "seidenweich" gemacht, sowohl vom Orchester als auch vom Solisten, der klangvolle Andante-Satz; mündend in einen temporeichen und doch sanfte Passagen einschließenden Schlusssatz, mit feinem Humor musiziert. Noch darin ein paar Erinnerungen an die Pathetik des ersten Satzes und dann doch phrasenlos ins Finale geführt.
Eine interessante "Zugabe" hatte Professor Zitterbart für das Auditorium parat: Wissenswertes über das ungewöhnlich erscheinende Instrument, auf dem er musizierte - Nachbau eines "Pianoforte". Und natürlich gab es auch "echte" Zugaben; hatten sich schon Thomas Fey und "die Heidelberger" für den langanhaltenden Applaus bedankt, so konnte Gerrit Zitterbart noch etwas "draufsetzen". Gleich zwei Zugaben, eine temperamentvolle und eine etwas verhaltene. Mit denen ein ebenso heiteres wie hochkarätiges Konzert und eine ebenso wertvolle wie bereichernde Veranstaltungsreihe ihr Finale fand.
Mannheimer Morgen


Frankfurt Januar 2006: Ein Ferrari für Mozart
Früheste Mozart-Stücke mit Zitterbart im Holzhausenschlößchen
„Des Wolfgangerl Compositionen in den ersten 3 Monaten nach seinem 5ten Jahre“ zeigten in der Auswahl und chronologischen Abfolge, die Gerrit Zitterbart beim Neujahrsempfang der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen vorstellte, eine rasante Entwicklung: Schon anhand der ersten, sekundenkurzen Klavierstücke mit den Köchel-Verzeichnisnummern KV 1a, b, c, d, 2, 3, 4 und 5 lasse sich nachvollziehen, wie der Wunderknabe Mozart sich mit dem Tasteninstrument von Monat zu Monat immer besser vertraut gemacht habe, erläuterte der Pianist des Abegg-Trios zu seinem Vortrag. Er spielte im Zusammenhang mit der Ausstellung "Drei Generationen Mozart in Frankfurt" (F.A.Z. vom 14. Januar), die zum Empfang offiziell eröffnet wurde und bis zum 24. Februar im Holzhausenschlößchen zu sehen sein wird, auf einem historischen Hammerflügel, einer Leihgabe aus der Sammlung Michael Günther.
Das um 1790 von Ferdinand Hofmann in Wien gebaute Instrument wäre allerdings sicherlich "ein Ferrari für Mozart" gewesen, sagte Zitterbart. Denn angefangen habe der junge Komponist auf wesentlich einfacheren Instrumenten. Eigentlich müßten seine frühesten Stücke sogar auf einem Clavichord oder Cembalo gespielt werden. Aufgeschrieben habe die Sätze anfangs noch Vater Leopold Mozart wohl in Anlehnung an Improvisationen seines Sohnes, die er noch etwas ausfeilte. Nach dem Besuch in Frankfurt im Zuge einer Konzertreise 1763 begann das kleine "Wolfgangerl" dann aber auch schon, musikalische Ideen selbst in Noten zu fixieren.
Musikalische "Explosionen" und "Quantensprünge" sind, nach Zitterbart, der sich seit langem mit historischen Tasteninstrumenten beschäftigt und seit einiger Zeit auch Konzerte auf Hammerflügeln gibt, dann in den Kompositionen des Jahres 1764 zu verzeichnen - bis hin zu dem inspirierten Klavierstück C-Dur KV 9a. In England machte die Familie Mozart im selben Jahr Bekanntschaft mit dem jüngsten Bach-Sohn Johann Christian, der schon im frühen klassischen Stil schrieb und von dem der junge "Götterliebling" zweifelsohne manche Anregung empfing. Auch lernte er in London vermutlich hervorragende neue Instrumente kennen.
Das dort in dieser Zeit entstandene, von Zitterbart besonders differenziert vorgetragene, durch die Moll-Tonart und die Harmonien tiefgängige Klavierstück g-Moll KV 15p schien diese vielfältigen Eindrücke zu spiegeln. Wie viele klangliche Facetten sich dem im Grunde nachmozartschen Hammerflügel abgewinnen lassen, demonstrierte Zitterbart schließlich am eindrucksvollsten mit zwei hochkarätigen Werken späterer Jahre: mit der Fantasie d-Moll KV 397 und der Sonate B-Dur KV 333.
Frankfurter Allgemeine Zeitung


Zyklus der drei letzten Klaviersonaten von Franz Schubert im Göttinger Goethe-Institut Oktober bis Dezember 2005

»Nein! Doch! Nein! Doch!« Gerrit Zitterbart kommentiert das Finale aus Franz Schuberts später B-Dur-Klaviersonate. »Nein!« – das sind die heiter-verspielten, leisen Passagen, die von einer herrisch-lauten Oktave – »doch!« – immer wieder unterbrochen werden. Im langsamen Satz vernehmen wir einen Männerchor (»Das ist Concordia Bovenden«), bei einer unvermuteten harmonischen Wendung fallen wir im Fahrstuhl eine halbe Etage herab, werden sanft aufgefangen und steigen wieder nach oben.
»Gesprächskonzerte«, heißen diese musikalischen Plaudereien, mit denen der Pianist und Hochschulprofessor den Zuhörern im Göttinger Goethe-Institut die Musik nahe bringt. Am Mittwoch eröffnete Zitterbart seine dreiteilige Schubert-Reihe mit der B-Dur-Sonate und einem Bündel Deutscher Tänze zur Einstimmung.
Zitterbart macht keine wissenschaftlichen Analysen, aber er redet auch nicht blumig an der Sache vorbei. Er bringt in treffenden sprachlichen Bildern das Besondere der Musik auf den Punkt, zeigt, wie Melodie und Begleitung verwoben sind, mit welchen Mitteln Schubert die Erwartungen des Hörers täuscht oder wie klein eigentlich der Tonvorrat ist, aus dem Schubert die schönsten Melodien zaubert.
All die charmant vorgetragenen Beschreibungen zeugten von Zitterbarts intensiver Beschäftigung nicht nur mit dem Notentext, sondern auch mit Fragen der Werkentstehung und anderen Details. Dies ist Voraussetzung auch für die angemessene pianistische Interpretation der Sonate, die Zitterbart nach der Pause im Zusammenhang vorstellte. Mit vorausschauendem Blick gestaltete er die weiten Bögen, die er zuvor so anschaulich in Worten beschrieben hatte, kostete die bezaubernden Farbwirkungen des Schubertschen Klaviersatzes aus und setzte enorm kraftvolle, nicht zufällig an Beethoven erinnernde Akzente. Das war ein klar konturierter, straff geformter Schubert: ein Hochgenuss.
Begeisterter Applaus. Als Zugabe spielte Zitterbart noch einmal einen zärtlichen Schubert-Tanz, mit dem er die zahlreichen Zuhörer beschwingt in die Nacht entließ.

Wer an seine Schulzeit zurückdenkt, bringt nicht immer die Begriffe Lernen und Genuss zur Deckung. Dies wird in der Tat oft vom Druck des Systems verhindert – wenn aber dieser Druck nicht nötig ist, kann Lernen sehr wohl Spaß machen.
So haben die Gesprächskonzerte »Clavier am Kamin« mit Gerrit Zitterbart im Göttinger Goethe-Institut inzwischen ihr treues Stammpublikum, das auch am zweiten Abend im diesjährigen Schubert-Zyklus den Saal fast gänzlich füllte. Der Pianist hatte Schuberts große A-Dur-Sonate aus dem Jahre 1828 in den Mittelpunkt gestellt, ergänzt durch ein unterhaltsames Potpourri federleicht schwebender kleiner Tänze.
Von der Architektur der Sonate erzählte Zitterbart, vom Schicksal kleiner Motive, die in den verschiedenen Sätzen in immer neuer Beleuchtung hervortreten, von himmlischen Gefilden und höllischen Abgründen, einsam singenden Solostimmen und harmonischen Chören.
Immer sind Zitterbarts Bemerkungen fundiert und vermitteln erhellende Einsichten in die Struktur, den Beziehungsreichtum und die Dramaturgie dieser Musik. Natürlich hat Schubert beispielsweise den Schluss des Finales nicht ausschließlich dafür geschrieben, dass Zuhörer zum Klatschen animiert werden – aber dieser popularisierende Umweg der Argumentation bereitet dem Zuhörer glucksendes Vergnügen und schärft seinen Sinn für Schuberts Musik dennoch nachhaltig.
Sehr konzentriert stellte Zitterbart im zweiten Teil des Abends die Sonate im Ganzen vor, mit scharfen Akzenten und zugleich mit viel zärtlicher Zuwendung zur melodischen Poesie. Die Zuhörer ließen sich verzaubern, klatschten ausgiebig und erhielten zum Dank als Zugabe einen kleinen, duftigen Walzer.

»Was macht Schubert, wenn ihm nichts mehr einfällt? Eine Pause.« Diese – nicht ganz ernst gemeinte, aber durchaus erhellende – Weisheit gab es am Mittwoch und Donnerstag im Göttinger Goethe-Institut zu lernen. Pianist Gerrit Zitterbart stellte am dritten und letzten Abend seines Schubert-Zyklus die späte Klaviersonate c-Moll vor, zunächst in Form einer spannenden, lehrreich-unterhaltsamen Kurzanalyse mit Musikbeispielen, sodann im Ganzen.
Seine Erkenntnisse vermittelte Zitterbart ohne pädagogische Aufdringlichkeit. Wenn er beispielsweise die für Schubert typischen Wendungen der Harmonik in unerwartete neue Bereiche erläutert und dabei vom »Fahrstuhleffekt« spricht, können auch der Musiktheorie Unkundige seinen Ausführungen mühelos folgen. Schön, dass er die Untersuchungen von Peter Gülke zu den drei späten Schubert-Sonaten erwähnte: Die motivische Substanzgemeinschaft dieser gleichzeitig entstandenen Werke ist in der Tat bemerkenswert.
Eingeleitet hatte Zitterbart den Abend mit zwei federleichten Kleinigkeiten, den beiden Scherzi D 593 des 20-jährigen Schubert, anmutig dahingetupften Miniaturen. Im Vergleich mit ihnen wirkte die c-Moll-Sonate wie ein Koloss: wuchtig dramatisch, mit zackig-spitzen Konturen, ausladend in den Formdimensionen, gleichwohl immer wieder auch für Ausbrüche in ganz andere Klanglandschaften gut, in sanft gewellte, in weiches Licht getauchte Gefilde der Seligen. Sehr konzentriert und detailgenau stellte Zitterbart diese Musik dar, im Anschlag fein differenziert, durchdacht ohnehin, wie die Analyse ja bereits eindringlich gezeigt hatte. Zum Dank für den begeisterten Beifall spielte er das Andante aus Mozarts C-Dur-Sonate KV 330 – eine Zärtlichkeit mit Träne im Augenwinkel.
Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer


Göttingen, 22.1.2005
Glitzernd silbrige Klänge mit scharfer Attacke
Früher nur für einen kleinen Kreis von Spezialisten interessant, ist die historische Aufführungspraxis heute schon beinahe Allgemeingut. Das hat der Mozart-Abend des Pianisten Gerrit Zitterbart im Göttinger Goethe-Institut wieder auf bestechende Weise deutlich gemacht. Der schwere, klangstarke Flügel, der sonst bei Konzerten im Goethe-Institut aufgestellt ist, hatte einem grazilen dunkelbraunen Instrument auf schlanken Beinen Platz gemacht, einem Hammerflügel, den der in der Nähe von Salzburg angesiedelte neuseeländische Instrumentenbauer Robert Brown gefertigt hat – nach einem historischen Vorbild des Wiener Klavierbauers Anton Walter aus der Zeit um 1800.
Unerwartete Klangwirkungen
Zwei Fantasien (d-Moll und c-Moll) und drei Sonaten Mozarts (C-Dur KV 330, a-Moll KV 310 und B-Dur KV 333) stellte Zitterbart auf diesem Instrument vor und verblüffte seine Hörer immer wieder mit unerwarteten Klangwirkungen. Viel heller und klarer, vor allem in tieferen Lagen, erscheint die Musik, rasche Läufe erhalten eine glitzernde Silbrigkeit. Und was man aus diesem Instrument an aggressiv-scharfer Attacke hervorzaubern kann, ist weit entfernt von dem verfälschten Bild des stets galanten, vergnügt lachenden Rokoko-Genius.
Sicherlich kann man Mozarts Musik auch auf dem heutigen Konzertflügel angemessen darstellen. Dazu gehört aber auf jeden Fall das Wissen, welches transparente, klar konturierte Klangbild die Instrumente der Mozart-Zeit erzeugt haben. Diese Kenntnisse vermehrte Gerrit Zitterbart nicht nur in seinem virtuosen, ausdrucksreichen, stets durchdacht gestalteten Spiel, sondern auch in seinen kenntnisreichen Erläuterungen, in denen er musikalische und instrumententechnische Sachverhalte dem Publikum auf unterhaltsame Weise nahe brachte. Dankbarer Applaus, der Kopfsatz der »Sonata facile« war die Zugabe.
Michael Schäfer, Göttinger Tageblatt


 Festival »La Passione« Heidelberg Herbst 2004
Zwei Beethoven-Welten
Gerrit Zitterbarts instruktiver Klavierzyklus beim »La Passione«-Festival
 »Man ist bei diesem Instrument einfach näher dran am Komponisten«: Gerrit Zitterbart, Pianist des Abegg´Trios und langjähriger Musizierpartner der Heidelberger Sinfoniker, ist ein erklärter Fan des klassischen Hammerflügels und vermittelt diese Begeisterung so ansteckend wie nur irgend denkbar. Sein an drei verschiedenen Konzertorten in Ladenburg, Neckarhausen und in Leimen präsentierter Beethoven-Zyklus im Rahmen des Festivals »La Passione« machte freilich nicht nur mit der wesentlich feineren (Holz-)Bauweise und dem besonderen farblichen Charme des historischen Tasterinstruments vertraut, sondern eröffnete auch die seltene Möglichkeit zum direkten Klangvergleich mit dem modernen Konzertflügel.
Für seine ebenso instruktive wie unterhaltsame Zeitreise in Sachen Beethoven verwendete Zitterbart eine von Michael Walker gebaute Kopie genau jenes Anton-Walter-Flügels, den der Komponist selbst zwischen 1795 und 1804 besessen. und gespielt hat Auf diesem Instrument erlebt man den kompromisslos technische wie künstlerische Grenzen ausreizenden Klangexperimentator und Ausdrucksmusiker Beethoven in aufregend neuer, ungeglätteter Intensität.
Insbesondere die den Zyklus krönende »Waldstein«-Sonate C-Dur op. 53 wurde in Zitterbarts herrlich knackiger und pointierter Hammerflügel-Wiedergabe zum echten Hörabenteuer, neben dem die vorangestellte Konzertflügel-Version – bei aller ebenbürtigen Brillanz des Vortrages – doch erstaunlich blass und konventionell wirkte.
Der unerhört farbige und griffige Sound eines solchen »Originalinstruments« erscheint in der Tat unverzichtbar, wenn man Beethovens Klavierwerke quasi von ihren Ursprüngen her begreifen will. Und dass eine gute Portion »Hammerklavier-Leichtigkeit« auch auf dem modernen Flügel keineswegs schaden kann, hat Gerrit Zitterbart ohnehin schon immer eindrucksvoll bewiesen.
»Näher dran am Komponisten« fühlte man sich bei diesem ungewöhnlich kommunikativen und entspannten, das Publikum in Fragerunden sogar aktiv einbindenden Beethoven-Zyklus in jedem Fall. Für derartige Gesprächskonzert-Reihen ist der joviale Virtuose ohne Zweifel die Idealbesetzung.
Klaus Roß, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


Göttingen, 6.11.2004
Nachhaltig infizierend · Zitterbart spielt Chopin
 
Er ist ein Phänomen. Gerrit Zitterbart dürfte (mindestens in Norddeutschland) der einzige Musiker sein, der sich noch eine Minute vor Konzertbeginn angeregt und völlig entspannt mit Besuchern unterhält, um sich dann aufs Podium zu begeben und sein musikalisches Programm in eben dieser anregend-entspannten Art und Weise vorzustellen. Auch beim zweiten Abend seines Chopin-Zyklus im voll besetzten Göttinger Goethe-Institut führte er dieses sympathische Ritual vor. Musik des reifen Chopin hatte er aufs Programm gesetzt, jeweils ein Nocturne und eine Ballade kombinierend: vor der Pause das Des-Dur-Nocturne op. 27 Nr. 2 und die dritte Ballade As-Dur, dann das f-Moll-Nocturne op. 55 Nr. 1 und die vierte Ballade f-Moll. Daran demonstrierte der Pianist Chopins kompositorische Verfahren. Und weil es sich um ein »Gesprächskonzert« handelte, konnte er diese Verfahren auch einführend erläutern.
Dabei mied er unverständliches Fachchinesisch, ohne aber ins bloß Anekdotische abzudriften. Vielmehr machten seine Erläuterungen auch deutlich, mit welcher Begeisterung und Freude er sich dieser Musik widmet. Und damit vermochte er seine Zuhörer nachhaltig zu infizieren – der Genuss an der variantenreichen Ausschmückung von Motiven und Themen, an den verschiedenen harmonischen Licht- und Duftwirkungen, die Chopins Musik ausübt, war auf diese Weise nachhaltig gesteigert.
Zart bis dramatisch
Zitterbart ist ein sehr genau gestaltender, im Anschlag äußerst flexibler, brillanter Pianist, dem von der zarten Poesie der Nocturnes bis zu den dramatischen Ausbrüchen der Balladen ein sehr breites Spektrum an Ausdruckswerten zu Gebote steht. Das machte sein Vortrag immer wieder deutlich, für den ihm die Zuhörer mit begeistertem Applaus dankten. Als Zugabe bekamen sie eine melancholisch-schwebende Mazurka auf den Heimweg.
Michael Schäfer · Göttinger Tageblatt


Göttingen, 7. November 2003 Von hässlichen und schönen Klängen
»Clavier am Kamin«: Gerrit Zitterbart im Göttinger Goethe-Institut
 
Ein kleines rotes Schild »Ausverkauft!«: Der Start der neuen Konzertreihe »Clavier am Kamin« mit Gerrit Zitterbart im Göttinger Goethe-Institut am Mittwoch war ungewöhnlich erfolgreich.
Er spielt nicht nur hervorragend Klavier, sondern er ist auch ein kenntnisreicher und amüsanter Plauderer. Das hat Gerrit Zitterbart in etlichen Konzerten erfolgreich bewiesen. So hatte die von Rolf-B. Klieme, dem Leiter des Göttinger Goethe-Instituts, mit Zitterbart gemeinsam entwickelte Idee einer Reihe von Gesprächskonzerten unter dem Motto »Clavier am Kamin« gleich am ersten Abend enorme Resonanz. Viele Neugierige konnten keinen Platz mehr ergattern und zogen enttäuscht von dannen.
Den übrigen aber stand ein lehrreicher, dennoch ungewöhnlich amüsanter Abend bevor. Am Nachbau eines Hammerflügels von 1795 führte Zitterbart vor, wie Beethovens Klaviermusik um 1800 geklungen haben muss: viel transparenter als auf dem modernen Konzertflügel, heller, eleganter. Ursachen dafür gibt es viele – etwa die mit Leder, nicht mit Filz bezogenen Hammerköpfe, die einen cembalonahen Klang erzeugen, und die leichtere Bauart, das Vorherrschen von Holz im Inneren des Instruments, wo heute vieles aus Metall gefertigt wird.
So wirkten die beiden kleinen Sonaten op. 49 viel gefühlsintensiver, als wir das heute gewöhnt sind, zarter, gefälliger. Und auch die »Pathétique« op. 13, sonst ein Klang-Koloss, an dem Klavierspieler ihre pianistischen Muskeln zeigen, erhält eine andere musikalische Physiognomie. Das Grummeln der Bassakkorde zu Beginn verliert seine Gefährlichkeit, Mittelstimmen können sich freier entfalten, weil sie nicht von den mächtigen Schwingungen der tiefen Saiten zugedeckt werden.
Zitterbart machte dies mit zwei kompletten Aufführungen dieser Sonate, zuerst am modernen Flügel, dann am Hammerflügel, schlagend (und virtuos) deutlich. Daneben gab er eine Einführung in Beethovens Kunst im Umgang mit kleinsten musikalischen Bauteilen (»Es ist ihm nichts eingefallen, aber was er daraus gemacht hat, ist unglaublich«), in Beethovens Persönlichkeit (»Da sitzt ein knorriger Mann und sondert böse Gedanken ab«), in dessen Umgang mit Akkorde und Tonleitern, mit hässlichen und schönen Klängen.
»So einen Musikunterrricht hätten wir damals haben müssen«, seufzten begeisterte Hörer nach diesem Klassikkurs. Und klatschten so lange, bis Zitterbart ihnen Beethovens Klavierstück »Lustig – traurig« als Zugabe spielte. Auf dem Hammerflügel, wie sich das Publikum per Abstimmung gewünscht hatte.
Michael Schäfer, Göttinger Tageblatt

 
Göttingen, 23.3.2003
Im Walzer gewirbelt
Hoch ging's her, als am sonnigen Sonntagvormittag Gerrit Zitterbart im Kinderkonzert Musik von »Robert und Peter«, also Schumann und Tschaikowsky vorstellte. Da gab es feurige Ritte auf einem Steckenpferd, sausende Schlittenfahrten durch winterliche Landschaften, ja sogar einen echten Walzer, bei dem Zitterbart die kleine Leonie aus der ersten Reihe im Kreise wirbelte.
An Tschaikowskys Kinderstücken und etlichen Stücken aus Schumanns »Album für die Jugend« machte Zitterbart einen unterhaltsamen Ausflug in die Welt der Töne, erzählte dabei auch etwas von Rhythmus, Melodie, Harmonie und Form, ohne aufdringlich zu belehren, gab Erläuterungen, stellte Fragen und erzählte Geschichten. Dabei entwarf er lebendige musikalische Bilder. Sein Publikum im Deutschen Theater unterhielt er blendend - und kultiviert.
Michael Schäfer, Göttinger Tageblatt

Hannover, 15.12.2002: Von Terzen und Tönen – Kinderkonzert in der Musikhochschule Hannover
Bach für Siebenjährige? Mozart für Vorschüler? Warum nicht, schließlich hat Wolfgang Amadeus bereits mit fünf Jahren recht erfolgreich komponiert. Der hannoversche Pianist Gerrit Zitterbart hat jetzt in der Musikhochschule seinen zahlreichen kleinen Zuhörern eindrucksvoll demonstriert, dass noch viel mehr geht. In seiner Musik, die Geschichten erzählt, dem ersten Kinderkonzert an der Hochschule, kommt Debussys kleiner Schäfer genauso zum Zuge wie das phantastische Duett zweier Bäume vor dem Fenster von Paul Hindemith oder ein Chopin-Walzer in a-Moll.
Zitterbart versteht es dabei bestens, seinen Flügel und die Noten im Sinne der Kinder einzusetzen. Ganz nebenbei lernen die Zuhörer etwas über Terzen und Töne, dass Dur und Moll lustig und traurig oder hell und dunkel klingen und man am Schluss lieber nicht zu lange applaudieren sollte. »Dann hört der Pianist vielleicht gar nicht mehr auf.«
Die Reise in die Welt der Kompositionen hat Zitterbart mit Riesendias untermalt – von den Köpfen der Meister, schließlich lieben Kinder Bildergeschichten. Und wenn sich Zitterbart am Ende bei Beethovens »Wuth über den verlornen Groschen« austobt, ist es fast mucksmäuschenstill im Theatersaal. Das haben die Kinder schließlich gleich zu Anfang gelernt, nämlich dass »die Musik davonläuft wie ein scheues Tier im Wald, wenn es zu laut wird.« Eine gelungene Premiere, bei der auch die Erwachsenen etwas lernen können: Schließlich haben etliche musikalische Meister vor allem Stücke für ihre Kinder komponiert.
Susanna Bauch, Hannoversche Allgemeine Zeitung

Coburg, 11.12.2002: Pianistische Initialen
»Und er ist gekommen, ein junges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten«, schrieb Robert Schumann über den 20-jährigen Johannes Brahms. Werke des Gönners und des Jüngers hatte der Klavierprofessor aus Hannover, Gerrit Zitterbart, bei seinem Klavierabend beim Coburger »Verein« im Foyer der HUK auf das Programm gesetzt, das dadurch eine große Geschlossenheit erfuhr. Das Klavier wurde bei Schumann nach einer Epoche des sinnlichen Klangreizes und brillanter Fertigkeit wieder zum Werkzeug des monologisierenden Tondichters.
In den beiden zum Vortrag gelangten Frühwerken feierte das alte Spiel mit den »musikalischen Buchstaben« fröhliche Urständ. Von dem Spätklassiker und Nachfolger Beethovens, Brahms, erklangen Spätwerke, in denen der Komponist noch einmal einen neuen Stil seiner Klaviermusik kreierte. An Stelle der pianistischen Initialen traten nun tiefe Einblicke in den Seelen- und Gemütszustand des Komponisten, nachdem die letale Krankheit bei ihm diagnostiziert worden war.
Mit seinem Opus 1, den Abegg-Variationen, schuf Schumann – wie es seiner Zeit entsprach – ein »Albumblatt«, das noch bei Hummel wurzelt. Das Thema und seine Sequenzen wurden von Gerrit Zitterbart deutlich und variabel vorgestellt, während die einzelnen Variationen in schöner Transparenz und Plastizität charaktervoll ausmusiziert waren, wobei bei stupender Technik eine Mischung aus brillantem Laufwerk und romantischem Ausdruck erzielt wurde.
Schumanns Carnaval ist sein pianistisch glänzendster Tanzzyklus, so dass er nicht von ungefähr zu einem der beliebtesten Konzertstücke avancierte. Nachdem der Gast aus Hannover des Préambule kraftvoll-hymnisch vorgestellt hatte, ließ er die Figuren der Commedia dell’Arte vergnüglich tanzen, charakterisierte die Davidsbündler Eusebius und Florestan und die Komponistenkollegen Chopin und Paganini, kostete bei allem turbulenten Faschingstreiben besonders die lyrischen Passagen voll aus, ließ die Walzer gefühl- bis schwungvoll erklingen, um den Zyklus martial mit dem »Marsch der Davidsbündler« zu beschließen, der zu einer atemberaubenden synkopierten Stretta geführt wurde.
Seine drei Intermezzi op. 117 bezeichnete Brahms einmal als »Wiegenlieder meiner Schmerzen«. Ganz im Zeichen dieses Zitates bewegte sich die Wiedergabe durch Gerrit Zitterbart. Introvertiert und melancholisch vernahm man das Es-Dur-, melodiebetont und expressiv das b-Moll- und düster empfunden und spannungsvoll das cis-Moll-Intermezzo. Attacca ließ der Meisterpianist die sieben Fantasien op. 116 folgen, wobei die drei Capriccien energiegeladen, schroff und leidenschaftlich ausgedeutet waren, während die vier Intermezzi zwischen schmerzvoller Kantabilität und Düsternis wandelten. Dabei wurden alle Sätze musikalisch tief schürfend angelegt. Eine besonders transzendente Wirkung erzielte der Künstler mit der Interpretation des E-Dur-Adagios, indem er es ganz in die Nähe der »Feldeinsamkeit« rückte.
Mit einem langsamen Sonatensatz als Zugabe »outete« Zitterbart Mozart als einen Vorläufer für die Brahmsschen Spätwerke. Durch seine informative geschliffene Moderation erweiterte Gerrit Zitterbart den Klavierabend zu einem -recital . Aber auch der Steinway der HUK hatte einen großen Anteil an einer tief beeindruckende Veranstaltung des »Vereins«.
Hans Höfer, Coburger Tageblatt

Heidelberg 2.4.2000: Beethoven, Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op.15
… Beethovens C-Dur-Klavierkonzert op.15, als Nr.1 bei Anlaß jener Wiener Akademie vorgestellt und später auch so gedruckt, ist in Wahrheit das zweite: das B-Dur-Konzert entstand schon vor diesem, und um 1800 arbeitete der Komponist bereits an seinem dritten Solokonzert. Gerrit Zitterbart war der Solist der jetzigen Aufführung, und wieder einmal erstaunte seine pianistische Omnipotenz genauso wie die absolute Stilsicherheit seiner Interpretation. Lockere Eleganz im Überblick und die gekonnte Einbindung diffiziler Einzelheiten ins Werkganze verschmelzen bei ihm in nahezu idealer Weise, auch, wenn der etwas belanglos wirkende Largo-Satz bei gleichem Tempo durchaus etwas mehr Verinnerlichung hätte vertragen können.
Bei der nach dem rasant verlaufenden Finalsatz gewährten Zugabe war man allerdings an jenem Punkt angelangt, an dem Beethoven seinerzeit zu »fantasieren« begann: Zitterbart zog sich virtuos aus der Affäre mit einer Originalkadenz des Komponisten zum Kopfsatz des gehörten Konzerts, die dieser notiert, aber abgebrochen hatte. Zitterbart führte sie zu einem furiosen Ende.
Matthias Roth, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg

Hinzerzarten 2.6.2000: Mozart, Klavierkonzerte KV 246, KV 271
… Schließlich ist Gerrit Zitterbart ein Pianist, der nicht nur sehr pointiert, sondern außerdem noch ideenreich und mit viel gestalterischem Witz zu spielen versteht. Und der noch zusätzlich über die Gabe der klangfarblichen Mimikry am Klavier verfügt: der also etwa seinen Anschlag der Tonproduktion bei Streicher-Pizzicati annähert, der sich ins Orchestertutti einschleichen kann wie auf samtenen Tatzen.
In Belangen der gestalterischen Detailarbeit sind Orchester und Solist oft fantastisch aufeinander eingespielt. Davon profitierte Mozarts »Jeunehomme«-Konzert (KV 271) ebenso wie das deutlich konventionellere Konzert KV 246, das Mozart auf die dilettantischen Tastenkünste Antonia Lützows, einer Nichte des Salzburger Erzbischofs Colloredo, zuschnitt (eine Tatsache, die Zitterbart auf virtuose Weise kaschierte).
Susanne Benda, Badische Zeitung

Frankfurt 4.6.2000: Mozart, Klavierkonzerte KV 238, KV 246, KV 271
… Das Resultat: ein leichtes und elegantes Spiel voller Frische. Ohne übertriebene Interpretations-Gags zu bemühen, gaben die Orchestermusiker und der Pianist dem B-Dur-Konzert ihr eigenes Gepräge. Schroff abgeteilte Phrasen in der Orchester-Exposition des Allegro aperto, durch Dämpfer auf den Streichern zusätzlich reduzierter Klang im Andante un poco adagio und die turbulenten, stets flüssigen Piano-Passagen im Rondo: Das innige Zusammenspiel von Orchester und Pianist spiegelte wider, wie Mozart sich im engen Rahmen der höfischen Musik eigene expressive Wege suchte.
Volker Schmidt, Frankfurter Rundschau

Heidelberg, 24.2.1999: Mozart, Klavierkonzert KV 37
Das erste Klavierkonzert (1767, KV 37) klingt demgegenüber »gereifter« – was auch kein Wunder ist: Mozart borgte sich ein paar Sätze von Klaviersonaten aus, die Zeitgenossen komponiert hatten, instrumentierte und korrigierte sie teilweise – und nicht ungeschickt … Der Pianist Gerrit Zitterbart und die Sinfoniker beleuchteten diese frühe Arbeit als selten gespieltes Kleinod der Klavierliteratur in vielfach wechselnden Farben. Zitterbarts manuelle Geläufigkeit und differenzierende Formulierungskunst waren, wie die gute Disposition des Orchesters, hierzu die besten Voraussetzungen. Dabei veredelte man die drei Sätze durch reiche seelische Empfindung und intelligenteste musikalische Gestaltung. Zitterbart ist ein Mozart-Interpret, bei dem sich gedankliche Tiefe und spielerische Leichtigkeit ungewöhnlich harmonisch und natürlich miteinander verbinden.
Matthias Roth, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg

Heidelberg, 30.3.1999: Haydn, Klavierkonzert D-Dur
Allerhöchstes Haydn-Vergnügen… Der zweite Teil des Abends servierte mit dem sogenannten »Zigeunertrio« G-Dur Hob.XV:25 und dem ebenfalls vertraut folkloristisch gewürzten D-Dur-Klavierkonzert Hob.XVIII:11 die zwei pianistischen Haydn-Hits schlechthin. Kaum allerdings dürfte man diese beiden Publikumslieblinge par excellence je so funkensprühend und temperamentssatt, so beherzt und innig animiert, so betörend charmant und detailverliebt, so musikantisch-spontan und dennoch hinreißend espriterfüllt, in ihren formalen Proportionen wie in ihrem klanglichen Kolorit so instinktsicher gewichtet und nuanciert gehört haben wie hier. Beim ungarisch-rassig beschlossenen D-Dur-Konzert sorgten die Sinfoniker für nachgerade phänomenal quick und agil pulsierende Partnerschaft. Das verdiente die enthusiastischsten Ovationen des Abends.
Klaus Roß, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg