Konzertkritiken

 

Lüneburg Januar 2016

Auf dem Weg zum Olymp

Angekommen „Auf dem Weg zum Olymp“, Titel der Matinee-Reihe im Musikschulforum und Beitrag zur Norddeutschen Kammerakademie, hat Ludwig van Beethoven künstlerisch den Zenit unzweifelhaft erklommen, mehr geht kaum. Das bewiesen seine Sinfonie Nr. 8, op. 93 sowie das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5, op. 73. Beide Werke standen auf dem aktuellen Programmzettel der Lüneburger Symphoniker. Nun ist der vierteilige Zyklus beendet, Neues wird folgen. Und Beethoven? Er beginnt seine Sinfonie extrem langweilig, wie Dirigent Thomas Dorsch lapidar feststellte. Es plätschert eine Weile arglos vor sich hin, doch bald folgt Spannenderes.

Die achte Sinfonie besticht durch ihre messerscharfen Brüche, ein waghalsiger Ritt durch die Tonarten, eine Melange aus Heiterkeit und Hintersinn, Ausgelassenheit und Nachdenklichkeit, dazu abrupte Schlüsse. In vier kurzen Sätzen formuliert der Komponist fast ein Credo seines Schaffens, zitiert sich, blinzelt in den Imperfekt und riskiert den Kennerblick zu fremden Klangufern, die erst viel spätere Kollegen austarieren werden.

Reduktion und Radikalität prägen das Stück und, so machte Dorsch es in seiner launigen Einführung deutlich, bietet es den Instrumentalisten knallharte Aufgaben. Bestens vorbereitet bewältigten die Ausführenden diesen Hürdenlauf souverän, ließen die Musik höchst vital atmen, variierten Tempo und Dynamik vorzüglich.

Kippelt Beethoven in der Achten virtuos zwischen Euphorie, Banalität und Abgrund, fordert mit den vielen Leerstellen das Publikum heraus, wirkt auch das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 überraschend aphorismenhaft: Eine experimentelle Reise in ungewohnte Gefilde. Zum Auftakt beispielsweise fehlt das Thema. Wieder bestimmt scheinbare Belanglosigkeit den ersten Eindruck und das Soloinstrument spielt beinahe keine Rolle, während der Apparat zunehmend markantere Zeichen ausstrahlt.

Erst im weiteren Verlauf darf der Pianist richtig vorpreschen, Pfade auslegen, dominieren. Gerrit Zitterbart gestaltete diesen Part auf dem Hammerflügel mit Konzentration und Verve. Wie die Sinfonie lebt das Klavierkonzert von enormen Kontrasten, Reibungen, plötzlichen Zäsuren.

Thomas Dorsch führte die Symphoniker und den Solisten auf eine harmonische Klanglinie, horchte das gewaltige Spektrum aus, forcierte die Dramatik in den schnellen Läufen, ließ zupackend agieren und gönnte den leiseren Momenten angemessen gesüßten Schmelz: eine energetisch aufgeladene Wiedergabe, in der Gerrit Zitterbart als subtiler Gestalter glänzte. Die Zuhörer goutierten das Beethoven-Doppel mit Genuss und äußerst beifallfreudig.

Landes-Zeitung Lüneburg, Heinz-Jürgen Rickert


Göttingen Januar 2016

Das singende Clavier

Romantisch begann das Jahr im Göttinger Clavier-Salon. Gerrit Zitterbart hatte zum Neujahrskonzert eingeladen und sein Konzertprogramm mit „A Ladies‘ Diary“überschrieben. Dies stand symbolisch für die Epoche, in der auch sein Flügel von Robert Wornum (London) gebaut worden ist, also die Jahre um 1845. Zitterpart präsentierte Klaviermusik mit Werken von John Field bis Frédéric Chopin. Charmant und informierend schlug Zitterbart in seiner Moderation die Bögen der einzelnen Komponisten zueinander.

Nach den „Nocturne“ von John Field, die der Komponist auch in Warschau in Anwesenheit des noch jungen Frédéric Chopin spielte, sowie zwei Werken von Franz Schubert standen „Lieder ohne Worte“ auf dem Programm. Musik der„Erfinderin“ dieser Gattung Delphine von Schauroth erklang ebenso wie die von Fanny Hensel und natürlich von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und Gerrit Zitterbart ließ diesen auf abenteuerlichem Weg nach Göttingen gelangten historischen Flügel singen. Die von Wornum erfundene, hoch komplizierte Anschlagtechnik erklang unter seinen Fingern überhaupt nicht kompliziert. Im Diskant erklangen diese Lieder glockenhell, wie eine jugendliche Sopranstimme in diesen „Liedern ohne Worte“.

Nach der Pause standen zunächst Stücke von Robert Schumann auf dem Programm. Auch wenn Schumann selbst vermutlich auf einem anderen Instrument gespielt hatte, zauberte Zitterbart aus den Stücken aus dem „Album für die Jugend“ wahre Kleinode. Das gilt vor allem für die „Träumerei“ aus den „Kinderszenen“, die Zitterbart mit großer Zartheit und viel Gefühl zum Klingen brachte.

Den Abschluss bildeten Préludes und Walzer von Chopin. Hier verbanden sich Gefühl, Melancholie und Virtuosität zu einem Gesamtkunstwerk. Das Publikum im gut gefüllten Clavier-Salon wurde damit in das Neue Jahr entlassen – nicht ohne seiner Begeisterung durch lang anhaltendem Applaus Ausdruck zu verleihen.

Göttinger Kulturkalender, Jens Wortmann


Göttingen Dezember 2015

Königliches Bimbam

Dem Ernst des Abends entsprechend betrat der Solist in Frack und Zylinder den Saal und eröffnete den Piècen-Reigen mit Bachs C-Dur-Präludium. Dem folgte das meisterliche Arrangement dieses Stückes in Gestalt von Charles Gounods „Ave Maria“ – in angemessen gefühlstrunkener Interpretation. Nicht minder meisterlich und bis in die filigransten Zweiunddreißigstel-Verästelungen hinein virtuos war Zitterbarts Vortrag des musikalischen Juwels von Paul de Senneville, dessen Schöpfer sich gern im Schatten seines berühmtesten Interpreten Richard Clayderman verbirgt.

Eine solche „Ballade pour Adeline“ hört man nicht alle Tage. Musikwissenschaftlich aufschlussreich waren Zitterbarts Erläuterungen zu Mozarts fein dahingewischtem Klavierstück „Das Butterbrot“, anrührend die hingebungsvoll fromme Darstellung von Badarzewskas „Gebet einer Jungfrau“. Seiner durchdachten Vorab-Analyse („Ein Gebet ist, wenn man immer etwas wiederholt“) verhalf er mit seinem luziden Spiel zu stillem Leuchten.

Zu erwähnen bleibt noch Dudley Moores Colonel-Bogey-Marsch in einer bestechend beetho­venesken Färbung, der bemerkenswerterweise nicht im Dreiertakt stehenden Walzer von F. Loh, der nur durch einen Lesefehler mit dem Spottnamen„Flohwalzer“ bedacht wurde – und vor allem die parodistischen Zyklen über „Ach du lieber Augustin“ von Manfred Gurlitt und last but not least über „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?“ von Karl Hermann Pillney.

Das war pianistisch schwere Kost, mitzuerleben beispielsweise an des Solisten sorgenvoll zerfurchtem Mienenspiel angesichts der herben Regerschen Chromatik. Hingerissen klatschten die Zuhörer und bekamen zum Dank noch etwas Stille von Cage und „Die Abendglocken“ von Georg V. von Hannover: ein wahrhaft königliches Bimbam.

Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer

Göttingen August 2015

Romantische Träumereien auf dem Taschenklavier

Wie ein Taschenklavier sieht er wahrlich nicht aus. Der kleine Flügel in Gerrit Zitterbarts Sammlung historischer Tasteninstrumente glänzt wie eine kostbare Antiquität. Aber sein Erbauer Robert Wornum nannte ihn nun mal „pocket piano“.Vielleicht dachte er um 1845 auch an die Atmosphäre von musikalischen Salons, in denen sich sein samtig wärmender Klang wunderbar entfalten würde.

Für diesen Abend in seinem Clavier-Salon stimmt Gerrit Zitterbart das Publikum auch gern auf ein romantisch anmutendes Tableau ein, wenn er nun das Bild von englischen Landhäusern entwirft, in denen die Lady ihre Gäste mit den romantischen Kompositionen unterhielt, die gerade kursierten. Da darf auch eine charmante Anspielung auf den Titel des Abends „A Ladies’ Diary“ nicht fehlen. Auch wenn es dabei um ein Markenzeichen für modische Accessoires handelt, die die Damenwelt in dieser Zeit entzückten, für Zitterbart passt Wornums „Pocket Piano“ einfach wunderbar in dieses Umfeld der Ladies Diaries und natürlich auch in seine musikalische Reise durch das romantische Zeitalter.

Es kommt dabei auch gleich zu Entdeckungen mit drei musikalischen Skizzen von John Field, der dafür um 1812 den Begriff „Nocturne“ erfunden hatte, den später Frédéric Chopin für viele seiner Kompositionen übernahm. Auch die „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn- Bartholdy haben ihre romantische Vorgeschichte, die Zitterbart seinen Zuhörern mit einer beschwingenden Momentaufnahme von Delphine von Schauroth entdeckt und dabei auf ein nicht nur musikalisches Beziehungsgeflecht verweist. Dass Mendelssohn die Pianistin und Komponistin sehnsüchtig umschwärmte, als er ihr sein Gondellied widmete. Und dass seine Schwester Fanny Hensel diese Form der musikalischen Widmung ebenfalls schätzte, die auf Wornums Taschenklavier ihren romantischen Zauber entfaltet.

Auch bei Robert Schumann und seinen musikalischen Präziosen für Klavier verweilt der Musiker auf seiner Klangreise mit den Stimmen der Romantik. Wie geschaffen für die Novellen aus dem Album der Jugend und aus Schumanns Kinderszenen klingt auch hier der Flügel, dessen warme dunkle Erdung vor allem mit zarten melodischen Variationen harmoniert und weniger mit dramatischen Motiven. Das hat Zitterbart auch bei den Werken von Chopin bedacht, mit denen sich leicht ein pianistisches Feuerwerk entzünden ließe. An seinem Wornum dürfen Préludes und Walzer auch als sentimentale moments musicaux bewegen und eine melancholische Färbung annehmen. Wenn sie sich nun in romantische Träumereien verwandeln, die sanft beschwingen und bezaubern.

Göttinger Kuturkalender, Tina Fibiger

Göttingen Juli 2015

Programm aus dem Stegreif

Was tun, wenn die Solistin des Abends ausfällt? Ganz einfach: Da springt der Veranstalter ein und spielt selbst. So geschehen am Freitag, als Wettbewerbssiegerin Lisa Wellisch im ICE festsaß und ihr Konzert im Claviersalon am Stumpfebiel absagen musste.

Gerrit Zitterbart, Pianist und Hausherr, hatte erst vier Stunden vor Konzertbeginn von der Panne erfahren. Im Nu entwarf er ein Ersatzprogramm aus seinem Repertoire und überließ dem Publikum die Entscheidung, zu bleiben oder zu gehen. Fast alle blieben – und erlebten einen spannenden Klavierabend mit Musik von Beethoven, Liszt und Schubert-

Spannend war der Abend nicht nur des souveränen Pianisten wegen, der diese Werke virtuos, stilsicher und mit fein ausgefeiltem Ausdruck gestaltete. Auch die ungewöhnlichen Klangfarben der von ihm ausgewählten historischen Instrumente ließen immer wieder aufhorchen. So spielte Zitterbart die Sonate e-Moll op. 90 von Ludwig van Beethoven an einem Hammerflügel, der um 1820 gebaut worden ist, also zur Entstehungszeit der Sonate. Dessen Klang ist ungleich schlanker als beim modernen Flügel – ohne dröhnende Bässe, mit Tönen, die in vergleichsweise kurzer Zeit verstummen. Der Diskant klingt wunderbar zart. Allerdings haben es Melodien in hoher Lage nicht eben leicht, sich gegen eine bewegte Begleitfigur in der Mittellage durchzusetzen. Da muss man manchmal eben ein wenig hinhören.

An einem Erard-Flügel von 1888 stellte Zitterbart anschließend eine Auswahl von Klavierstücken Liszts vor mit Schwerpunkt auf den skizzenhaften, harmonisch ausgesprochen kühnen Spätwerken („Nuages gris“,„Unstern“). Hier konnte sich die kultivierte Klanggewalt der tiefen Lagen des Erard-Flügels prächtig entfalten – eine ganz andere Tonwelt als die der Beethoven-Sonate.

Schuberts späte B-Dur-Sonate aus dem Jahr 1828 bildete das Finale, nun wieder am Hammerflügel von 1820. Dieses Instrument verfügt über besonders differenzierte Möglichkeiten der Tondämpfung. Damit demonstrierte Zitterbart beispielsweise im Kopfsatz die charakteristische Bass-Trillerfigur, für die Schubert ein am modernen Instrument kaum mögliches Pianissimo vorschreibt, sehr eindrucksvoll: ein ganz fernes Grollen, geheimnisvoll, bedrohlich. Perfekt. Begeisterter Beifall.

GöttingerTageblatt, Michael Schäfer


Göttingen Januar 2014

Sich von Gerrit Zitterbart auf das neue Jahr einstimmen zu lassen, ist immer eine ganz besondere Freude. Dies wissen auch Freunde und Förderer seines Göttinger Clavier-Salon zu schätzen, die früher für ein musikalisches Ständchen zum Jahresbeginn zum Goethe Institut pilgerten. Nun genießen sie in Zitterbarts Sammlung von Tasteninstrumenten diesen wunderbar intimen Klanggenuss, der auch bei den Werken von Franz Schubert und Felix Mendelssohn Bartholdy immer wieder hellhörig macht für die historische Klangidee.

Eröffnet wurde das musikalische Jahr im Stumpfebiel mit Schuberts vier Impromptus, für die Zitterbart sein Publikum charmant zu trösten wusste. Weil sich das ideale Instrument dafür noch immer in der Werkstatt befindet, erklingen die dramatischen Novellen auf dem Érard Flügel, wo sich ihre unbändige Energie entfaltet. Schon in dem c-moll Impromptu fühlt man sich an die tragischen Progressionen erinnert, die Gottfried Benn in seinem lyrischen Chopin Portrait beschreibt. Zitterbart wählt ein besonnenes Tempo für den pathethischen Auftakt, der so in eine Replique münden kann, die den stürmischen Kaskaden zart aber bestimmt zu trotzen vermag. Auch in Schuberts Es-Dur Impromptu setzt Zitterbart seine besonderen Akzente wie ein Bildhauer, der sich einem unbearbeiteten Stein widmet und dabei nicht den rasanten Lauf der musikalischen Figur betont und sich um so mehr den filigranen Strukturen widmet, die die linke Hand mit ihren rhythmischen Akzenten vertieft. Das vertraute Klangbild des Ges-Dur Andante erfährt ebenfalls diese bildhauerische Annährung an das historische Klangbild, das sich auf einem zeitgenössischen Flügel mitunter so glanzvoll virtuos verflüchtigt. Auf dem Érard lässt Zitterbart auch jede melancholische Tönung in Schuberts Gedankenkosmos mitschwingen und macht umso hellhöriger für die meditativen Schwingungen in seinem As-Dur Allegretto, die losgelöst von den stürmisch aufrührerischen Bewegungen eine existentielle Tiefe wahren. Dann beflügelt er mit Schuberts A-Dur Sonate und den vielen fragmentarischen Skizzen, die der Komponist in dieser Sonate zu bändigen suchte.

Nur selten taucht der kleine Wornum-Flügel in den Konzertprogrammen des Clavier-Salons auf. In seinem wunderbar warmen Klang erinnert er an edlen Samt, der sich wie eine kostbare Hülle über eine Melodie legt und nun in Mendelssohns Liedern ohne Worte auch jeden Akkord in seiner dunklen Anmut klingen lässt. Zitterbart verwandelt die Lieder und auch die Fantasie über ein irisches Lied auf seinem Wornum in Aquarelle. Der wird zum Wanderer in Mendelssohns musikalische Novellen und Skizzen von unterwegs. Man stelle sich einen Panoramablick von Venedig vor und wie die Gondeln durch die Kanäle gleiten und eine ferne Kirchturmglocke schlägt oder auch eine dieser Momentaufnahmen Mendelssohns nach einem Besuch in Weimar. Man folgt den Spuren des Komponisten in eine Landschaft, die wieder neu erlebbar wird, wenn Zitterbart sie erkundet. Zum Finale gönnt der musikalische Bildhauer und Gestalter von Klangnovellen seinem Publikum noch ein virtuos aufmunterndes musikalisches Neujahrsgeschenk mit Mendelssohns berühmtem Rondo capriccioso und beflügelt mit dem wunderbar temperamentvoll klingenden Érard für 2014.

Göttinger Kulturkalender, Tina Fibiger

Springe Oktober 2013

Musik wird zum körperlichen Ereignis

Es dauert einen Augenblick oder auch zwei, bis sich die Ohren daran gewöhnt haben. Einmal empfangsbereit aber, können sie voll und ganz – wenn auch anders – auf ihre Kosten kommen. Ein mitteilungsfreudiger Musiker macht es zweifelsohne sehr viel leichter, sich von der Klangwelt eines modernen Instruments zu lösen und einzutauchen etwa in die akustischen Sphären eines Joseph Haydn oder Wolfgang Amadeus Mozart. Der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart ist in dieser Hinsicht erste Wahl, denn er hat nicht nur eine Menge über die Musik und ihre Schöpfer zu erzählen, er kann auch die Musik selbst auf faszinierend Weise erzählen lassen. Auf Einladung des Kulturkreises Springe entdeckte Zittterbart mit rund 100 Zuhören im gut besuchten Kaisersaal die Klangwelten vergangener Zeiten. Dafür hatte er gleich ein entsprechendes historisches Instrument mitgebracht, auf dem er – abgesehen von einigen vergleichenden Hörproben – das gesamte Abendprogramm spielte. Was mangels Hörerfahrung in Haydns „Variationen f-Moll“ zunächst vielleicht noch etwas staubtrocken klang, entwickelte unter Zitterbarts filigran formenden Händen bald ungeheuren Reiz. Schnell wurde deutlich, dass weniger Klangraum keineswegs eingeschränkte Körperlichkeit bedeuten muss. Und in Mozarts „Fantasie c-Moll, KV 475“ sowie „Sonate c-Moll, KV 457“ war dann eindrucksvoll zu erleben, wie elementar diese Musik klingen kann, wie farbig und differenziert. Zitterbart entwickelte ein beeindruckendes Spektrum zwischen handfest und hölzern sowie hingehauchter Poesie. Zudem demonstrierte er überzeugend, dass Ekstase keine Frage dynamischer Wucht, sondern vielmehr auch materieller Kraft ist. Und spätestens in Ludwig van Beethovens „Sonate d-Moll, Op. 31/2“ war klar, dass eine ergreifende Dramaturgie auch mit deutlich weniger Tasten gelingen kann – und vielleicht sogar überzeugender ohne flauschige Klangunterlage. Jedenfalls ging Beethovens existenzielle „Sturm-Sonate“ ebenso unter die Haut wie die berühmte „Pathétique“, die Gerrit Zitterbart zwischen Wucht und Anmut ansiedelte und deren rastlose Motorik im Finale geradezu körperlich erlebbar wurde. Viel Applaus für einen schillernden Klavierabend.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Gert Deppe


Bielefeld Januar 2013

Wertvolle Traditionen soll man pflegen. Oder auch wie Gerrit Zitterbart mit seinen Neujahrkonzerten im Museum Huelsmann selbst eine solche begründen.

Bereits zum fünften Mal gab sich der renommierte Tastenkünstler hier zu Jahrebeginn am vielgerühmten historischen Nannette-Streicher-Flügel die Ehre. Musikfreunde sichern inzwischen bereits im Herbst einen der fünfzig Plätze, so dass für die Zukunft ein Wiederholungskonzert angedacht ist.

Die Exklusivität des Angebots spricht für sich. Sind doch weltweit wohl nur fünf Exemplare des „oberschlägigen“ Bautyps aus der Wiener Nobelmanufaktur noch bespielbar, weshalb der Hannoveraner „Clavier“-Professor diesen 1829 gebauten „Rolls- Royce unter den Hammerflügeln“ gern auch zu CD-Aufnahmen nutzt. Mir seiner besonders ausgeprägten Sanglich- und Register-Klangfarbigkeit ist das Instrument wie geschaffen, die oft schmerzlich-schöne Zerrissenheit von Schuberts tönenden Seelenwelten direkt hörbar zu machen. Und unter den wahrhaft berufenen Händen des Interpreten (und wundervollen Wissensvermittlers) Gerrit Zitterbart wird jede seiner Bielefelder Schubertiaden zu einem beglückenden Erlebnis.

Diese nun führte aus dem Bereich leicht dahingeworfener Tanzmusik über die zyklisch-sonatennahe Zwischenform der „Vier Impromptus“ op.90 zum Gipfelwerk und Schwanengesang der großen B-Dur-Sonate. Die raffiniert verschachtelten „Sechs Deutschen Tänze“ D 820 erfüllte ein in Gestik und Impulsen, Kontrasten und Übergängen kongeniales Musizieren. Schuberts ganz am Klanglichen orientierte Konzeption der Impromptus ließ in c-Moll eine bezwingende dramatische Entwicklung, im Ges-Dur-Liedsatz silberhelle, dabei opak umspielte Verträumtheit hören.

Die B-Dur-Sonate ist in ihrer grenzenlos verströmenden Sanglichkeit Inbegriff Schubertscher Klaviermusik. Aber wie gewaltig wirkt die allein 20-minütige Kopfsatz-Großräumigkeit erst, wenn ihre Gefährdung durch Trillerfiguren so scheppernd erdstoßgleich hinein klingt wie aus den Basstiefen des Nannette-Streicher-Hammerflügels. Wie tief lotet und leuchtet der Tastenmusiker Zitterbart darauf das feierlich-lichte cis-Moll-Andante aus. Und wie schlüssig organisiert er im Finale den Fluss von entspannter Gelassenheit und nicht mehr weiter wissenden Stockungen und Abbrüchen. Die Hörer dankten für zwei Konzertstunden höchsten Schubert-Glücks.

Neue Westfälische, Michael Beughold


Krefeld Dezember 2012

Feinsinniger Lehrmeister im Rittersaal

Heiterkeit mit einem Hauch von Melancholie: So klang bei der Silvesterserenade im Rittersaal der Burg Linn das Jahr 2012 aus. Pianist Gerrit Zitterbart bot mit Stücken von Franz Schubert und Frédéric Chopin dem Publikum ein anspruchsvolles Programm.

Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit leitet Zitterbart seit vielen Jahren eine Klavierklasse an der Hochschule für Musik in Hannover. Dementsprechend fällt seine Moderation an diesem Abend weniger launig, sondern eher wie eine kleine Lehrstunde aus. In seinen Anmerkungen stellt er nicht nur die Stücke kurz vor, sondern lässt auch eine geschickte Dramaturgie bei ihrer Abfolge erkennen.

Zum Auftakt gibt es Sechs Deutsche Tänze, die Schubert einst in der Sommerfrische auf dem Landgut des Grafen Esterházy schrieb. Weiche Melodien mit wiederkehrenden Motiven, die im Wechsel mit betont rhythmischen Passagen stehen, kennzeichnen diese Werke.

Von Stimmungsschwankungen ist Schuberts große Klaviersonate in A-Dur geprägt, welche in epischer Breite die Zeit bis zur Pause füllt. Für Zitterbart enthält sie Wehmut und Heiterkeit gleichermaßen. Er stellt sie in enge Beziehung zu den zwei anderen letzten Klaviersonaten, die für ihn alle aus einem musikalischen Gedanken geformt sind. „Schuberts Umwelt hat damals davon überhaupt nichts mitbekommen“, ergänzt er mit Blick auf die Tatsache, dass diese außergewöhnliche Musik erst nach dem frühen Tod des Komponisten bekannt wurde. Neben seiner Präzision und dem technisch brillanten Spiel überzeugt Zitterbart auch mit seinem großen Einfühlungsvermögen in den lyrischen Passagen.

Was sich in der Schubert-Sonate so bereits andeutet, wird bei Chopin nach der Pause glasklar spürbar. Zitterbart spricht vom „unverwechselbaren Personalstil“ des Komponisten, dessen Lebenddaten sich mit Schuberts überschneiden. Ein Nocturne in cis-moll, entstanden in Schuberts Todesjahr 1828, offenbart jedoch einen anderen Charakter. Hier wird eine zarte Melancholie spürbar, die auch Chopins so populär gewordene Walzer kennzeichnet. Die schwebende Eleganz der für die Pariser Salons entstandenen Stücke bringt Zitterbart wunderbar zum Ausdruck.

Er beendet den Abend besinnlich mit Schubert. Als eine „Intimität“ bezeichnet Zitterbart das kurze feinsinnige Stück, mit dem er das begeisterte Publikum in die Silvesternacht entlässt.

Westdeutsche Zeitung Krefeld, Michaela Plattenteich


Göttingen Dezember 2012

Charmant und witzig: Zitterbart und F. Loh

Man muss nicht immer den Sinn des Lebens suchen. Bisweilen ist es viel unterhaltender, sich mit Unsinn zu befassen, besonders dann, wenn es dabei um so unterhaltsame Musik handelt, wie sie Pianist Gerrit Zitterbart am vorletzten Abend des Jahres im ausverkauften Claviersalon darbot.

Unsinn muss ja nicht Geistlosigkeit heißen. Im Gegenteil: Die Variationszyklen über populäre Lieder im Stil verschiedener Meister von Cornelius Gurlitt, Siegfried Ochs und Karl Hermann Pillney sind witzige Lektionen in Musikgeschichte. Zitterbart präsentiert sie mit einer nicht minder witzigen, charmanten Moderation, lädt lautstark Giuseppe Verdi und Cecilia Bartoli zu Gast (die beide dann leider doch nicht kommen) und würzt den launigen Abend mit einer Prise Bach-Gounod, Thekla Badarzewkas „Gebet einer Jungfrau“ und einer exquisiten Interpretation des meisterhaften Walzers von F. Loh, den nur Ignoranten einfach „Flohwalzer“ nennen. Die schönste Zugabe ist eine fiktive Variation von John Cage über „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans“: 33 Sekunden ohne jeden Laut. So leise spielt kaum jemand. Wunderbar.

Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer

Celle September 2012

Musikalische Botschaften aus erster Hand

Selten begegnet einem ein Interpret, der mit solcher Souveränität und Ausdruckstiefe kompositorische Schwärmerei und Leidenschaft mit lyrischen Ruhepunkten zu verbinden weiß, wie der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart, Professor an der Musikhochschule Hannover, bei seinem Konzert am Montag im Celler Beckmannsaal. Auf Einladung des Künstlervereins Celle trug er Sonaten von Haydn (Variationen), Berg (op.1), Beethoven (op.109) und Schubert (D 959) vor und erläuterte in seiner Anmoderation mit anekdotischem Geschick die Entwicklung zwischen barocken Wurzeln und zeitgeistiger Tonsprache.

Gebannt verfolgte das Publikum, wie der 60-jährige zu Beginn Haydns launenhaftes Werk mit dem resignierenden Schlussteil zelebrierte und wie er danach bei Bergs nur einsätziger Sonate die Zuhörer nachempfinden ließ, warum dessen Lehrer Schönberg einen zweiten Satz für entbehrlich hielt und feststellte: „In diesem einen Satz ist alles gesagt.“ Zitterbart gestaltete den melodisch-harmonischen Reichtum dieses Werkes zu einem spannenden Musikerlebnis. In gleicher Weise vermochte er dem Publikum auch Beethovens Botschaften „aus erster Hand“ zu vermitteln, nicht zuletzt deshalb, weil er dabei nicht didaktisch vorging und „deutete“, sondern weil er die Musik einfach dorthin strömen ließ, wohin sie nach dem Willen des Komponisten wollte. So spielte er nicht nur, was in den Noten stand, sondern auch das, was Beethoven neben und vor die Noten geschrieben hat. Dadurch entfaltete sich etwa der letzte Satz als wirklich „molto cantabile ed espressivo“, als „gesangvoll, mit innigster Empfindung“.

Mit derselben Kompromisslosigkeit gab Zitterbart der gewollt extrovertierten Dramatik in Schuberts Partitur den Vorzug vor einem ausbalancierten Vortrag und ließ der visionären Kraft dieses ausufernden Werkes ihre einzigartige Melancholie, aber auch ihre ganze Wucht, mit jeder darin rumorenden und wütenden Nuance. Die Sonate wurde so zu einem eindrucksvollen Schauspiel, von der barocken Feierlichkeit im ersten Satz über die rezitativischen Ausbrüche im Mittelteil bis zum im Pianissimo zerflatternden Finale.

Cellesche Zeitung, Rolf-Dieter Diehl

Tauberbischofsheim April 2012 

Klavierwerke der Wiener Klassik, so wie man sie zumindest hier noch nie gehört hat, bildeten das Programm des jüngsten Schlosskonzertes im wieder einmal gut besuchten Rathaussaal. Im Mittelpunkt des Abends standen ein bestimmtes Instrument, auf dem die Großen jener Epoche von Haydn über Mozart bis Beethoven einst in persona musiziert haben: der Hammerflügel, der Vorläufer unseres heutigen vertrauten Pianoforte.

Zu den derzeit führenden Interpreten auf diesem Instrument zählt der Pianist Gerrit Zitterbart, der sein Gastspiel im Rathaussaal mit einer Art von kleiner musikalischer und musikgeschichtlicher Lehr(viertel)stunde verband. Der 1952 geborene Pianist, Dozent und vielseitig tätige Kammermusiker gehört mit seinem liebenswürdigen und sympathisch uneitlen Auftreten zweifellos zu jenen Künstlerpersönlichkeiten, die auf großartige Selbstinszenierung verzichten.

So leicht, schlank und fast zierlich sich der von Gerrit Zitterbart gespielte Hammerflügel den Blicken präsentierte, so schlank und zart, voll kammermusikalischer Intimität berührt sein Klang zwischen dem Cembalo und dem modernen Klavier.

Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, von Haydn, Mozart und Beethoven bildeten das Programm, das auch dazu gedacht war, die parallele Entwicklung zwischen den Fortschritten des Instrumentenbaus und der Kompositionstechnik der führenden Musiker jener Epoche aufzuzeigen. Kurze, charakteristische und dabei ausgesprochen unterhaltsame Stücke des Bach-Sohnes bildeten den Einstieg zum eigentlichen Schwerpunkt des Konzerts, in dem die ernste Tonart c-moll ein verbindendes Element darstellte, angefangen mit Haydns c-moll Sonate von 1780 über Mozarts Wiener Sonate KV 457 bis zu Beethovens wohlbekannter "Pathétique" in der gleichen Tonart. Mit faszinierender, dabei unaufdringlicher Virtuosität und analytischer Brillanz wurden vom Interpreten die persönlichen Handschriften dieser drei so unterschiedlichen Genies der Wiener Klassik exemplarisch erläutert, wobei der spezielle Klang des Hammerflügels, seine kammermusikalische Feinheit, dem nachvollziehenden Hörerlebnis sehr zugute kam.

Eigenartiger noch war die Erfahrung, wie scheinbar wohlvertraute Werke im anderen Klanggewand plötzlich neue Dimensionen offenbaren: Haydns eigenwillige Sonate beispielsweise scheint noch ganz in der Barockepoche zu wurzeln, und vom ersten Satz von Beethovens „Pathétique“ bleibt in der Hammerflügel-Version nicht mehr viel Pathos übrig: Aus dem dynamisch aufgeladenen Sturm und Drang-Gedonner, wie man es oft auf dem Pianoforte hört, ist ein eher leises aber umso eindringlicheres, intimes und beredtes Bekenntnis seines Schöpfers geworden.

Dass Beethoven wiederum auch ein hinreißender Alleinunterhalter am Flügel sein konnte, demonstrierte Zitterbart in einer fulminanten, regelrecht rockenden Version des Rondos von der "Wut über den verlorenen Groschen" und in den launig-charmanten sechs Variationen aus der Oper „La Molinara“ von Paisiello. Am schönsten offenbarten sich die klanglichen Eigentümlichkeiten dieses Instruments wohl bei Mozarts - in seiner Wiener Erfolgszeit entstandener - c-moll Sonate mit ihrem „opernähnlichen“ Gestus und Tonfall: Hier glaubte man in den führenden Stimmen zuweilen ganz menschlichen Gesang zu vernehmen.

Für den Beifall im Rathausaal bedankte sich Gerrit Zitterbart noch mit einer Petitesse von Beethoven.

Fränkische Nachrichten, Thomas Hess


Göttingen Februar 2010

Verträumte Nachtstücke und Mazurken

Vor 200 Jahren, am 1. März 1810 oder vielleicht auch einen oder zwei Tage früher, wurde Frédéric Chopin geboren. Seine Musik ist der Inbegriff romantischer Klavierkunst. Gedenkkonzerte sind in diesen Tagen keine Mangelware – doch der Pianist Gerrit Zitterbart hatte sich für sein Konzert am Donnerstag im Göttinger Goethe-Institut einen etwas anderen Schwerpunkt gewählt.

„Der Weg zu Chopin“ hieß der Abend, bei dem angesichts des großen Publikumszuspruchs die Stühle im Saal kaum ausreichten. Auf dem Programm standen neben Werken Chopins Klavierstücke seines Lehrers Józef Elsner, des Iren John Field, der die Gattung des Nocturnes erfunden hat, sowie Musik der Chopin-Altersgenossen Mendelssohn und Schumann.
Ausgesprochen spannend erwies sich die musikalische Sprache, die Elsner in seiner D-Dur-Sonate aus dem Jahr 1798 anschlägt. In der Tat finden sich ein paar Berührungspunkte mit der Musik seines späteren Schülers, kleine poetische Aufweichungen der klassischen Strenge, auch folkloristische Töne, wie sie etwa in Chopins Mazurken zu vernehmen sind.
Fields Nocturnes klingen unter Zitterbarts empfindsamem Zugriff sehr zart und nächtlich verträumt – den Zauber und die Tiefe der Chopinschen Nocturnes lassen sie allerdings weitgehend vermissen, was jedoch keine Schuld des Pianisten Zitterbart ist.
In seiner kenntnisreichen Moderation hatte Zitterbart zu Recht auf die sehr individuelle Musiksprache der Chopin-Altersgenossen hingewiesen. Das setzte er in Mendelssohns Fantasie über „The Last Rose of Summer“ und in Schumanns „Abegg“-Variationen pianistisch überzeugend um.

Chopin selbst ließ Zitterbart in drei Werken zu Wort kommen: der bezaubernden Polonaise des Siebenjährigen, dem klangzaubernden cis-Moll- Nocturne des 19 Jährigen und schließlich der großen h-Moll-Sonate aus dem Jahr 1844. Die virtuose Kunst des Pianisten sorgte für uneingeschränkten Hörgenuss. Und als Zugabe für den begeisterten Beifall gab es noch ein Nocturne extra.

Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer


Heiningen, August 2009

Zum 200. Todesjahr Josef Haydns hatte die Kulturinitiative Tonart den Göttinger Hammerflügelspezialisten Gerrit Zitterbart in Kooperation mit dem Internationalen Musikfest Goslar-Harz ins Klostergut Heiningen eingeladen.

Alles passte bei Gerrit Zitterbarts Auftritt vor einem vollen Haus trotz zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen: Der Biedermeiersaal lieferte die perfekte Akustik für die warm einschmeichelnden bis brillant feurigen Klänge seines bestens intonierenden Hammerflügels – eines schon allein optischen Schmuckstückes, das aber auch klanglich keine Wünsche offen ließ.
Darüber hinaus präsentierte sich der Göttinger Pianist mit einem eindrucksvollen Gesamtkonzept, demonstrierte gleich eingangs das Innenleben seines Instruments, indem er vor den Augen seines Publikums die filigranen Tasten der Wiener Mechanik ausbaute, erläuterte Besonderheiten und Geschichte des Instruments und führte dann auf unterhaltsame und lehrreiche Art durch die Programmfolge.

So suggerierte er den alternden Haydn, der sich Abend für Abend seine Lieblingskomposition, die Variationen über "Gott erhalte", Vorform unserer Nationalhymne, vorspielte und ließ sein Publikum daran teilhaben. Solche Spätwerke kontrastierte Zitterbart immer wieder mit frühen Kompositionen wie der markanten Sonate in e-Moll von 1786, die er dann nach einem Hinweis auf ihre dramaturgischen Momente gekonnt vor seinen Hörern ausbreitete.
Im Aufführungsstil der damaligen Zeit ergriff er Gelegenheiten zu schwungvoll improvisierten Auszierungen, wie sie Haydn seinen virtuosen Interpreten gestattet. Im geschickten Umgang mit Tempi, Pausen und dem per Kniehebel bedienten Moderatorfilz ließ er die kompositorischen Strukturen lebendig hervortreten und erwies sich dabei als Meister überzeugender Gestaltung.

Auch die häufig gespielten Variation in f-Moll erklangen in neuem Licht: leichte Arpeggien, glasklare Figurationen, markante, geradezu symphonische Bässe und eindringliche Gesanglichkeit führten zum spannenden Gesamteindruck.

Das letzte Werk vor der Zugabe charakterisierte Zitterbart mit einem Zitat Mozarts an seinen Vater, hier übertragen auf Haydns Sonate c-Moll. Dies ist ein frühes Cembalowerk von 1771, das erst 1780 im Erstdruck die dynamischen Bezeichnungen für den Hammerflügel erhielt: die Musik solle nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht ausfallen. Damit beschloss der Pianist sein Konzert spielfreudig und mitreißend.

Braunschweiger Zeitung

Bielefeld, Januar 2009

Beglückend, dass es so etwas Kostbar Intimes im heutigen Musikbetrieb noch gibt. Ein kleiner Kreis von im Museum Huelsmann versammelten Kennern wusste um die Gunst der (Konzert-) Stunde, den namhaften Tastenmusiker Gerrit Zitterbart am hauseigenen raren Prunkstück, dem historischen Nannette Streicher-Flügel, erleben zu können.

Schon zweimal drei Gesprächskonzerte (mit Schubert und Mozart) hat der Gründer-Pianist des Abegg Trios und Hannoveraner Klavierprofessor in den letzten Jahren hier gegeben. Wieder hatte es ihm die einmalige Gelegenheit angetan, auf diesem 1829 in Wien gebauten „oberschlägigen“ Instrument mit seiner ganz besonderen, glockig farbigen Klangfülle Schubert zu spielen.

Dessen Kunst, aus motivischen Mikroorganismen in oft tänzerisch unterfütterter, Raum greifender Sanglichkeit eine ganze Welt ambivalenter Stimmungen und zerrissener Seelenzustände zu bauen, wurde in der Programmfolge steigernd beleuchtet. Zwei frühe Scherzi und eine Handvoll Tänze (Deutsche, Schottische, Walzer, Galopp) standen wie Petrischalen Schubertscher Inspiration am Konzertbeginn. Minutenstücke zum Hausgebrauch, die sich unter den Händen des Interpreten zu vitalen, klangfarbigen Kleinoden verwandelten und auswuchsen.

In den sechs „Moments musicaux“ erscheint diese rhythmische Erfindungs­- und Impulskraft zu einem halbstündigen Zyklus auskristallisiert und stimmungstief verdichtet. Faszinierend, wie Gerrit Zitterbart die eher tempoverhaltenen Charaktere zwischen karger cis-Moll Einkehr und heftiger f Moll Akkordlust ausreizt und in einen nicht auslassenden musikalischen Spannungsbogen einordnet.


Die 40 minütige B-Dur Sonate, letzte im gleichzeitig entstandenen Dreierpack aus Schuberts Todesjahr 1828, erklang als kompositorisch geschlossenste, vollkommenste im so ganz eigenen Ton des melancholischen Genies. Lässt sich die grenzenlose, „molto moderato“ auf der Stelle tretende feierlich-wehe Sanglichkeit und ihre Gefährdung durch Klangabgründe, Pausen Abrisse, Umbrüche, harmonische Entrückungen intensiver nacherleben als hier?
Meisterlich durchdringt Zitterbart die Gesangsstimmung und Verstörungen des Viersätzers und setzt sie mit Hilfe des Nannette Streicher Flügels ereignishaft in Klang. Die nuancen- und klangreiche Präsenz in den vier mittleren Oktaven kann süchtig machen, und ähnliche Grenzgänge in der tiefsten Basslage (schier seismische Triller, pochende Repetitionen, „herausgeschleuderte“ Einzeltöne) schafft so kein moderner Konzertflügel. In klangdramatischer Hinsicht ist man danach für andere Wiedergaben verdorben; glücklicherweise gibt's die Dreier Konstellation auf CD.

Eine innig erfüllte Andante-Zugabe geleitete die Hörer auf den winterlichen Heimweg.
Neue Westfälische, Michael Beughold


Göttingen Januar 2009

Kompositionen von Franz Schubert hatte der Pianist Gerrit Zitterbart für sein Neujahrskonzert im Göttinger Goethe-Institut vorbereitet. Das Haus in der Merkelstraße war bei diesem Ereignis außerordentlich gut besucht. Recht passend zum Neujahrstag, an dem man einzelne Ereignisse und Aufgaben der kommenden Zeit schon sieht, noch nicht aber, wie sich diese zu einem Ganzen fügen, präsentierte Gerrit Zitterbart am ersten Tag des neuen Jahres Franz Schubert. Der von ihm gewählte Ausschnitt zeigte den Komponisten auf dem Weg von musikalischen Details, die kleinere musikalische Gattungen bestimmen, zur Großform der Sonate, die jene Einzelheiten freilich nicht verwirft, sondern aufhebt. In zwei frühen Scherzi klang bereits schubertsche Schwermut paradox im Spiel auch der hellen Klangfarben an, von Zitterbart mit einfachen Mitteln wie einem eben noch zu spürenden Rubato unterstrichen. Durch sieben Tänzen verwandelten Schubert und Zitterbart das Publikum in eine heitere Abendgesellschaft, wobei der innige Walzer D 844 schon fast als langsamer Mittelsatz einer Sonate durchgehen könnte, ein Eindruck, den Zitterbart mit dem ausgelassen gespielten „Grazer Galopp“ rasch wieder verwischte. Denn diese Etappe sollten die dann folgenden „Moments Musicaux“ zeigen, auf deren „Mantra“ Zitterbart hinwies: eine Stimmung, in die sich Musiker und Hörer versenken. Litt das fragende C-Dur-Moderato noch ein wenig am gleichbleibenden mezzo forte, gewann das Allegro moderato der „Air Russe“ mit einer Andeutung von vorwärtsdrängendem Ungestüm an Esprit. Berührend das Schlussstück, von Zitterbart mit maßvollem Pedaleinsatz in der Balance von Hymnus und Hoffnungslosigkeit gehalten. In der letzten, in Schuberts Todesjahr 1828 komponierten Sonate B-Dur D 960 kulminierten kompositorisches Geschick und reife Darbietung. Im Kopfsatz zeigte sich Zitterbarts Achtsamkeit für musikalische Einzelheiten – was auch Schuberts bisweilen rätselhafte Pausen betrifft –, der langsame Satz schwebte durch unendlich zartes Spiel, gleichsam eine gefällige Atempause verschaffte das Scherzo, bevor der Schlusssatz mit Beethovenscher Wucht daherkam. Dieses Finale gestaltete Zitterbart so packend, als wolle er vollends widerlegen, Schubert habe hier Todesahnung hören lassen wollen: Was so geistreich und kraftvoll ist, kann nur dem Leben zugewandt sein. Die Gäste im zum Bersten vollen Goethe-Institut saßen im Parterre am Kamin, oben im Treppenhaus, man saß und stand auf der Treppe; gemeinsam indes war am Ende allen die Erfahrung: ein so mit Schubert begonnenes Jahr hat glücklich angefangen. Dem begeisterten Applaus konnte nur mit zwei Zugaben abgeholfen werden.

Göttinger Tageblatt, Karl-Friedrich Ulrichs

Göttingen, Dezember 2007

Von Zärtlichkeit und Leidenschaft

Unterhaltsame Information und musikalischen Genuss verbinden Gerrit Zitterbarts Klavierabende im Göttinger Goethe-Institut. Kein Stuhl blieb frei, als er dort am Donnerstag Beethovens „Appassionata“ auf modernem Konzert- und historischem Hammerflügel präsentierte.

Neben dem historischen Hammerflügel aus braunem Kirschholz – Nachbau eines Instruments aus der Zeit um 1800 – nimmt sich der moderne schwarze Konzertflügel wie ein Sargmonster aus. Der geöffnete Deckel wirkt wie ein aufgerissenes riesiges Maul, als wolle das Instrument die Zuhörer im nächsten Moment verschlingen.

Doch der Eindruck täuscht. Wenn Pianist Gerrit Zitterbart Beethovens zärtlich-verspielte Variationen über Paisiellos Arie „Nel cor più non mi sento“ auf diesem Ungetüm vorstellt, wird der Flügel friedlich und freundlich, gibt sanfte, singende Töne von sich.
Das ist freilich nur im Ansatz so darstellbar: Beim Wechsel auf den Hammerflügel wird der Klang mit einem Mal ganz durchsichtig, Melodien in tiefen Lagen brummeln nicht in mulmigem Klang, sondern können sich frei gegen den Rest der Töne entfalten.

Nach dieser leichten Vorspeise präsentiert Zitterbart die leidenschaftliche Sonate f-Moll op. 57, die „Appassionata“. Und siehe da, auch hier sind Kraft und Zartheit auf ganz neue Weise gepaart, aus dem gleichsam orchestralen Klang des heutigen Flügels wird eine aufregende Kammermusik, der man es anmerkt, dass sie an ihre ästhetischen Grenzen vorstoßen will. Ein fesselnder Abend, von Zitterbarts klug-gewitzten analytischen Anmerkungen begleitet. Zum Schluss besänftigte der Solist sein begeistertes Publikum mit dem langsamen Satz aus der „Pathétique“ – ein süßes musikalisches Betthupferl.

Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer

Bayreuth, Juli 2007

Schuberts Gedanken, erfasst mit Händen

Gerrit Zitterbart begeisterte mit einem der bewegendsten Werke der Klavierliteratur bei Steingräbers Festival Bei einem niederländischen Musikantiquar kam man ihn für schlappe 135 Euro erwerben: den Notendruck „Sonaten für das Pianoforte allein. Allerletzte Compositionen. 3. Sonate (in B)“. Dies ist nicht die Erstausgabe, sondern immerhin ein bereits in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts erfolgtes Reprint, beim Wiener Musikverleger Spina gedruckt mit den Platten jener Erstausgabe, die etwa zehn Jahre nach dem Tod des Komponisten bei Diabelli erschienen war.

135 Euro für eine wahrlich weit verbreitete Sonate, das klingt teuer – aber in Wirklichkeit ist die dritte Sonate der „allerletzten Compositionen“ unbezahlbar. Die B-Dur-Sonate D 960 ist ein singuläres, stets von neuem ergreifendes, bewegendes, erschütterndes Werk der Klavierliteratur geblieben. Dies versteht sich nicht von selbst, denn über die Musik entscheidet die Interpretation, nicht der wie und wo auch immer gedruckte Notentext.
Es ist ein Glück, dass Gerrit Zitterbart in einem Gesprächskonzert – dem ersten der Schubert-Trilogie, die bei Steingraebers fünftem Bayreuther Klavierfestival im neuen Kammermusiksaal stattfindet – die drei späten, zyklisch konzipierten Sonaten in drei Gesprächskonzerten verbal und pianistisch deutet. Nebenbei stiftet er die Verbindung zum Festivalkonzert des vergangenen Wochenendes, in dem sich C.W. Müller in einem gleichermaßen bannenden Programm den Zyklus der letzten vier Opusnummern vornahm, den Brahms für das Klavier geschrieben hat.

Eigentümliche Ähnlichkeiten fallen auf, weil Zitterbart sehr schön erläutert, dass, wie Adorno über Schuberts späte Stücke gesagt hat, „das Ganze aus dem Zusammenhang miniaturhafter Elemente aufsteigt“.

Dass alles Geniale einfach sei, wissen wir von Richard Strauss; der Hannoveraner Professor demonstriert es, indem er auf den das B umkreisenden Terz-Quart-Raum verweist, mit dem das Thema des Kopfsatzes der Sonate beginnt. Er verweist auf die Zeit, die in dieser fast obsessiven Raum-Beschreibung als Element zum Klingen gebracht wird. Er weist auf die Pausen, Lücken und fragenden Gesten hin, die immer wieder das scheinbar locker vagierende Gebilde mit Irritationsmomenten, Spannungsstauungen und schließlich mit tonartenmäßig wie innerlich erfahrbaren, erhebenden Glücksaussichten strukturieren. Zitterbart zeigt uns, dass alle – kaum Thema, eher Gedanken zu nennenden – Themen der Sonate nur die Variation des Beginns sind, und dass die verschiedenen Harmonien zugleich neue Farbtöpfe öffnen.
Der Dozent markiert den Schreitrhythmus des Trauermarschs, der unterirdisch zu oft erklingt, als dass es ein Zufall wäre, er spielt das Klopf-Zitat aus Beethovens Fünfter, das wir, derart geschult, später selbstständig im zweiten Satz wiedererkennen, und entdeckt für uns die verschobenen Rhythmen, die zwischen Dur- und Moll beständig changierenden Verläufe. Er spielt uns, Schuberts Orchestrierungskunst andeutend, die Geige, das Cello, die Bratsche vor, er macht uns darauf aufmerksam, dass eine bestimmte, bewegende Stelle des langsamen Satzes klingt, als sänge da ein Männergesangverein der Schubert-Zeit (natürlich nichts anderes als das einfache, doch unvergleichlich verwandelte Primitiv-Gebilde im Vier-Ton-Raum), und er zeigt, dass die schönste Musik auf einer simplen Tonleiter basieren kann.
Die Erläuterungen des Professors aber taugten nichts, bewiese er nicht spielend die Relevanz seiner Analyse. Was im zweiten Teil passiert, ist, im Sinn des Wortes, phänomenal, weil die Theorie bruchlos umgesetzt wird. „Sparsame Gestik, viel Ausdruck“ – so charakterisiert der Dozent Schuberts Musik, und so wird sie vom Musiker realisiert. Zitterbart zaubert aus dem großdimensionierten Steingraeber-Flügel eine kammermusikalische, fast klassizistische Stimmenklarheit heraus. Die stets durchschimmernde Konstruktion dient nur dem einen: dem freien Fluss der Musik.

Der Gefahr allzu großer Reflexionsauslösungen begegnet er mit einer Übersicht, einem unheimlich richtigen Tempo, einer dramatischen, dicht am Notentext orientierten Interpretation, der die Effekthascherei völlig fremd ist. Er stellt die Sonate mit all ihren Geheimnissen, ihren rätselhaften Stellen und elysischen Schönheiten als ein wundersames Gebilde vor, das einer Goldschmiedearbeit ähnelt – und er verwandelt, um nur ein Beispiel zu nennen, die Theorie in die Praxis, wenn er den verbal beschriebenen Terz-Quart-Raum im Spiel zu einem Raum vergrößert, in dem es vier Dimensionen gibt, deren letzte naturgemäß nicht mehr beschreibbar ist: wenn er im Allegretto mit einer fast schumannschen Samttönung eine Fernmusik herausspielt oder einen beethovenianischen Ausbruch verwirklicht, sind wir Zeugen eines wunderbaren Raum-Spiels.

Nicht allein das tieftraurige Andante gerät, selbst in größter Ruhe, sehr spannend. „Schubert hat kein Thema, sondern Gedanken.“ Zitterbart hat Gedanken, die er in einer zwingenden Interpretation „con delicatezza“ vermittelt, ohne sich in „schönen Stellen“ zu verlieren. Selbst im Fall des „Einspielstücks“ und der Zugabe trifft er den richtigen Ton. Mit den „Sechs Deutschen Tänzen“ D 820 und einem der „Letzten Walzer“ D 146 kredenzt er uns am Beginn wie am Schluss einige Tänze, die mehr sind als Konstruktionen aus Rhythmus, Harmonie, Bewegung und Melodie: Schubertsche Gedanken, erfasst unter den Händen eines Pianisten, der weiß, dass gerade die verschattete Kunst ihr Eigenleben erst dann gewinnt, wenn zwischen Konstruktion und Emotion keine Seite eines Notendrucks mehr passt.

Nordbayerischer Kurier, Frank Piontek

Bielefeld Mai 2007

Auf Mozarts Hammerflügel

Eine Gesprächskonzert-Trilogie mit dem renommierten Tastenmusiker Gerrit Zitterbart bot im Museum Huelsmann einen Überblick über das Klavierschaffen Wolfgang Amadé Mozarts. Das ist der wahre Luxus und Hörgewinn für Kenner: Musik auf einem Instrument exakt aus Zeit und Umfeld eines Komponisten zu erleben; zumal wenn es dabei solche bautechnische Vielfalt und rasante Wandlungen gibt wie auf dem weiten Gebiet der Claviere zwischen Spätbarock und Frühromantik.

Interpretierte der Gast hier im Vorjahr Schuberts drei letzte Sonaten auf dem vielgelobten hauseigenen Nanette-Streicher-Flügel von 1829, hatte er nun - sein dem Originalklangmusizieren verpflichteter Verein „Clavier e. V.“ ist gut bestückt - einen Hammerflügel nach Anton Walter (Wien, 1795) dabei, wie ihn Mozart ab 1782 besaß. Die Klangunterschiede zwischen beiden sind hörbar enorm, weitere Erläuterungen zu Bauart und Werkschaffen aufs einnehmendste sinnfällig. Authentischer, lebendiger und meisterlicher als durch den Hannoveraner Klavierdozenten und Gründer-Pianisten des bedeutenden Abegg Trios lässt sich der Mozartsche Klavier- und Ausdruckskosmos kaum darstellen.

Nehmen wir pars pro toto den ersten, ausgewählte Sonaten mit Klavierstücken (die Gattungen Variation und Fantasie folgten) kombinierenden Abend. Entwaffnend im Vortrag ein Dutzend Sätzchen des 5- bis 8-Jährigen: wunderkindliche Spielfreude im Aufbruch vom ersten ungefügen C-Dur-Austesten (KV la) bis zum Johann Christian Bach „abgehörten“ g-Moll-Affetto (KV 15p) im Londoner Skizzenbuch.

Drei Solitäre aus den späten Wiener Jahren offenbarten kongeniale Meisterschaft. Ob er das hell-muntere D-Dur-Rondo-Thema KV 485 unermüdlich und unerschöpflich durchvariiert, im hoch persönlichen a-Moll-Gegenstück KV 511 dem Geheimnis mozärtlicher Ambivalenzen nachspürt oder das ergreifende h-Moll-Adagio KV 540 mit abgründiger Trauermarsch-Haltung erfüllt - Zitterbarts Mozartspiel verbindet ausgereizte Kontraste und ausgefeilte Klangrede zu komplexer Welterfahrung.

Über die Station in der von heiter-gelöst bis überbordend vital angegangenen G-Dur-Sonate KV 283 zur großen c-Moll-Sonate KV 457: Deren aufbäumende Dramatik und Ausdruckspathos lebt und lotet Gerrit Zitterbart, die Spannweite der Klaviatur und Klangfarbenpalette dieses Hammerflügels mit überwältigender Prägnanz nutzend, ereignishaft aus. Allein die drei so extremlagigen Satzschlüsse waren atemberaubend gesetzt. Ganz große Tastenkunst für eine kleine Hörerschar.

Neue Westfälische, Michael Beughold

Hannover Mai 2007

Hintersinnig - Musikalische Parodien im Kanapee

Hannover ohne das Kanapee? Die Musikszene wäre ein Stück ärmer. Die großen Meister der Musik immer nur bierernst? Schrecklich. Abhilfe bot am Pfingstmontag Erwin Schütterle in seiner „Wein- und Konzertsstube“: Gerrit Zitterbart, Pianist und Professor der Musikhochschule, präsentierte sich als Humorist am Klavier und als Moderator mit Witz und Hintersinn. Dabei saßen die Pointen und Wortspielereien ebenso wie manche musikalischen Tücken, denn nicht nur Liszt wurde mit List eingefärbt und durch den musikalischen Fleischwolf gedreht, auch Bach, Bartók, Verdi und Wagner, Schubert und Schönberg standen Pate oder halfen auf die Sprünge.

Und die Verantwortlichen? Das waren Siegried Ochs, der um die vorletzte Jahrhundertwende das Lied „Kommt ein Vogel geflogen“ filetierte und im Stile „alter“ und „neuer“ Tonmeister parodierte. Mittlerweile sind K. H. Pillneys „Variationen“ über „Was tust Du mit dem Knie, lieber Hans“ ebenso Legende wie Joachim Volkmanns „pianistische Maulwurfsarbeit“ (Zitterbart) über „Ein Männlein steht im Walde“ und nicht zuletzt Hans Priegnitz’ zwerchfellerschütternde Fassungen von „Lili Marleen“. Da wurde „Unter der Laterne“ mithilfe von Mozarts „Türkischem Marsch“ ebenso geküsst wie zu Beethovens „Pathétique“. Doch die ultimative Edelschnulze bot erst die Beimischung einer Prise aus Brahms’ „Guten Abend, gut’ Nacht“. Hatte da noch jemand trockene Augen?

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Günter Helms

Göttingen Januar 2007

Freuden des Entdeckers

Der erste Schnee in Göttingen – beste Rahmenbedingungen also für einen Klavierabend am Kamin im Goethe-Institut. Zwar blieb das buchstäbliche Feuer (leider) aus, für knisternde Spannung sorgte dennoch Gerrit Zitterbart auf einem Hammerflügel (Kopie nach Anton Walter 1795).

Der Göttinger Pianist wischte dabei das staubige Vorurteil beiseite, das 18. Jahrhundert halte nur Sonaten-Trockenfutter bereit, in dem sich allemal noch Motten wohl fühlen. Zitterbart versteht es, sein Insider-Wissen in leicht verdaulichen Häppchen zu vermitteln ohne dabei zu dozieren.
Entsprechend ist das Hörbild. Sein Spiel klingt nicht so, als zerrte die gesamte Wissenslast der Musikgeschichte an den armen dünnen Notenhälsen. Leicht und duftig kommt Christian Bachs D-Dur op. 5/2 Sonate daher. Eine Göttinger Erstaufführung erlebte darauf die originelle Sonate D-Dur des Bruders Johann Christoph Friedrich Bach, dessen Werk immer noch zu großen Teilen in den Archiven schlummert und der Entdeckung harrt. Mit Hinweisen auf instrumentenbauliche Details erhellte Zitterbart die spezifische Schreibweise des Mozart-Zeitgenossen Muzio Clementi, den viele wohl nur als Verfasser harmloser Etüden kennen. Doch sei die g-Moll Sonate op. 7/3 beileibe „kein Kinderkram, sondern ernsthafte, große Musik“. Tatsächlich ist hier schon eine Vorahnung der Romantik auszumachen – stellenweise müsste man wegen der dunklen Bässe wohl eher von einem Vorbeben sprechen. In zukünftige Ausdrucksregionen wiesen auch Haydns düstere f-Moll-Variationen von 1794. Zitterbart hob vor allem die experimentelle Seite des Werkes hervor. Den inspirierten Tastenvirtuosen konnte er schließlich mit Johann Nepomuk Hummels Sonate f-Moll op. 20 herauskehren, die mit einem fast orchestral anmutenden, rauschenden Final-Presto auftrumpft. Viel Applaus aus voll besetzten Reihen, für den sich Zitterbart mit C. P. E. Bachs Solfeggietto in weltrekordverdächtigem Tempo bedankte.

Göttinger Tageblatt, Matthias Schneider-Dominco


Bielefeld November 2006

Ereignishafter Dreiklang

Es war ein ereignishafter Dreiklang von Werk, Interpret und Instrument, zu dem das Museum Huelsmann an diesem Wochenende den kostbar-intimen Rahmen lieferte: In einer Gesprächskonzert Trilogie präsentierte der renommierte Tastenmusiker Gerrit Zitterbart auf einem historischen Hammerflügel (Wien 1829) die drei in Franz Schuberts Todesjahr 1828 entstandenen letzten Klaviersonaten.

Authentischer und plastischer lässt sich ihr besonderer zyklischer Charakter (Schubert schrieb an allen drei gleichzeitig!) kaum vermitteln. So (vor-)spielerisch-diskursiv der Klavierdozent Zitterbart in kompositorische Eigenarten und Zusammenhänge der Trias einführte, so faszinierend lebendig führte der Gründer-Pianist des seit 30 Jahren erfolgreichen Abegg Trios sie aus: Schuberts existenzieller Zerrissenheit zwischen Todesahnung und Aufbruch im Bewusstsein der Reife, musikalischer "Daheimeligkeit" (im Sanglich-Zustandhaften seiner Melodik) und Sich-fremd-Sein (in unerhörten harmonischen Rückungen und unvermittelten Abbrüchen) ist er ein begnadeter Interpret.

Für ein Klangbild wie zu Lebzeiten des Komponisten sorgte der größte Schatz vor Ort, ein Hammerflügel der seinerzeitigen Wiener Nobelfirma Nannette Streicher, geb. Stein. Wieso der berühmte Fachkollege Andreas Staier einmal bei einem Oetkerhallen-Auftritt vor der (für Schubert zu langsamen?) "oberschlägigen" Mechanik des raren Prunkstücks kniff und lieber in die Steinway Tasten griff, bleibt unerfindlich. Unter Gerrit Zitterbarts Händen lässt selbst ein Allegro vivace con delicatezza zu nehmendes Scherzo nichts an leichtgängiger Schnellkraft vermissen. Dafür fasziniert schon bei der Einstimmung (oder Zugaben) der drei Abende mit Schubert-Tänzen die ganz eigen ausregistrierte und mit enormer Klarheit der Stimmverläufe aufwartende Klangfarbigkeit. In den Sonaten-Welten fallen aus der Kontraoktav herausgeschleuderte Extremtöne oder wenn der Diskant mit filigranätherischen Pianino- bis Zither-Anklängen aufwartet geradezu als Grenzerfahrungen ins Ohr.
Seligkeit und Schmerz, Glück und Verzweiflung

In Gerrit Zitterbarts umgestellter Abfolge erhält die mild strömende Gesanglichkeit in B-Dur (D 960) das erste, die heillos umdüsterte Tarantella-Entfesselung in c-Moll (D 958) das letzte Wort. Ob er wunderbar transformatorisch dem moderaten B-Dur-Pulsschlag folgt oder unvermittelt zwischen den gegensätzlichen Sphären in A-Dur wechselt er legt die Schubertschen Seelenzustände klangdramaturgisch offen, durchlebt ihre jederzeit ambivalenten Stimmungen und Verstörungen in nuancierter Klanglust. Seine Pausen-Abbrüche reißen senkrechte Abgründe auf, über die die scheinbar trällernd frohgemuten Final-Rondos nur mit gewaltsamer Stretta-Virtuosität zum Ende finden. Nichtsdestoweniger gibt er all den Themengebärden und Klangflächen, Umschwüngen und Doppelbödigkeiten musikalische Stringenz und innere Geschlossenheit. Seligkeit und Schmerz, Glück und Verzweiflung sind in diesem Schubert Spiel zum Greifen nah. Das kleine Kenner-Publikum zollte dem Künstler bewundernden Beifall. Und sein Klangmedium, der Bielefelder Nannette-Streicher-Hammerflügel, würde sich in der langen Liste seiner CD-Aufnahmen sicher ausgezeichnet machen.

Neue Westfälische, Michael Beughold

Coburg, Mai 2006

Spannende Reise durch Klangwelten

Das kennen wir alle: Ein Pianist betritt das Podium, absolviert sein vorgelegtes Programm, nimmt mehr oder weniger huldvoll den Beifall entgegen, sammelt seine letzten Kräfte für eine Zugabe und verabschiedet sich mit unverbindlichen Verbeugungen von seinem Publikum, um in seiner Privatsphäre zu verschwinden.

Nicht so bei Gerrit Zitterbart, jenem Pianisten, dessen Herz am originalen Klavierklang der Klassik hängt. Bei ihm wird ein Klavierabend zu einem eher familiären Beisammensein, wie die Mitglieder und Gäste des Coburger „Verein“ am Montagabend im Foyer der HUK erfreut feststellen konnten. Er benötigte kein Künstlerzimmer, denn er stand vor dem Konzert, in der Pause und auch nach seinem Programm Zur Information und Unterhaltung dem Publikum zur Verfügung.
Doch auch im Rahmen des Konzertes gaben seine Ausführungen den Zuhörern wertvolle Hinweise zu den interpretierten Werken und vor allem zu dem besonderen Instrument, das er mitgebracht hatte. Es handelte sich um einen Nachbau eines Hammerflügels von Anton Walter, Wien 1795. Wolfgang Amadeus Mozart bezog ebenfalls ein Instrument dieses Klavierbauers.
Die Instrumente jener Zeit waren mit Lederhämmern ausgerüstet und anstelle des heutigen Pedals gebrauchte man einen Kniehebel, der zudem ein Moderato-Register mit weicherem Klang schalten konnte. Vor dem modernen Flügel aufgestellt wirkte dieses Instrument umso schlanker und zierlicher, wobei seine äußere Form bereits optisch auf den Klang vorbereitete. Dieser ist schlank, leicht metallisch, etwas schwebend und trotz aller Intimität raumfüllend. Beim Spiel ergeben sich durch veränderte Obertonreihen zuweilen überraschende harmonische Ergebnisse, bis hin zum Zweifel an der Richtigkeit der gewählten Töne.

Die allerdings traf Gerrit Zitterbart bei Wolfgang Amadeus Mozarts drei kleinen Klavierstücken immer. Filigran und geradezu listig gestaltet spielte er zu Beginn das heitere Rondo D-Dur KV 485, dem er das kontrastierend abgedunkelte Rondo a-Moll KV 511 gegenüber stellte. Vollends in die intimeren Bereiche des Komponisten schlich sich der Pianist mit dem Klavierstück h-Moll KV 540, dessen Träumerei er märchenhaft erklingen ließ.

Als zentrales Werk der ersten Konzerthälfte durfte aber Mozarts Sonate c Moll KV 457 gelten, die ebenfalls auf dem historischen Instrument interpretiert wurde. Wer nun glaubte, diese Sonate würde an ihrem dramatischen Gehalt auf dem kleinen Hammerklavier verlieren, wurde getäuscht. Mit gleicher elementarer Gewalt und Vorwärtsdrang bewältigte der Pianist den ersten Satz (Molto Allegro), sang die Elegie des Adagio frei schwingend aus und gab dem abschließenden Allegro assai die nötige Portion Wut mit.

Für Franz Schuberts Sonate B-Dur op. posth. D 960 setzte sich Gerrit Zitterbart an den großen Steinway, der wieder in die aktuelle Klangwelt führte. Diese Sonate stellt höchste Anforderungen an die Klangkultur eines Pianisten, seine Anschlagskunst und seine Fähigkeit der inneren Gliederungen. Bei Gerrit Zitterbart, der das mehr als halbstündige Werk auswendig spielte, fand man all diese Tugenden in reichem Maße.

Spannungsvoller hätte man die Entwicklung des ersten Satzes Molto moderato vom kreisenden Kernthema aus nicht gestalten können. Er gestaltete nicht in Schritten, sondern schuf ineinander fließende Linien, einen Kosmos sich gegenseitig beeinflussender Kräfte und Emotionen. Das Gebäude des folgenden Andante sostenuto erhielt unter seinen Händen eine erstaunliche Statik, auf den Pfeilern der Orgelpunktbässe ruhend. Dem mit Gegenakzenten gespickten Scherzo Allegro vivace folgte der fast apotheotisch wirkende Schlusssatz wie ein musikalisches Vermächtnis des Komponisten.

Wer dem Publikum einen Finger reicht, in diesem Fall ein jugendliches Scherzo von Franz Schubert als Zugabe, muss schließlich die ganze Hand geben. Gerrit Zitterbart gab sie, indem er den zweiten Satz von Mozarts Sonate C-Dur KV 330 zum Vergleich auf beiden Instrumenten darbot.

Neue Presse Coburg, Martin Potyra

Mannheim Mai 2006

Sensibles Hämmern

Er ist 85 Kilo leicht, vier Jahre jung, lässt sich schnell zerlegen und auf einem PKW-Anhänger kutschieren: der Hammerflügel von Gerrit Zitterbart. Er stellt ihn als Kopie eines Wiener Originals von 1795 vor. Mit einem Handgriff zieht er das Manual aus dem Gehäuse, um dem Publikum der Mozart-Gesellschaft Kurpfalz das Innenleben zu zeigen. Wenn die lederbezogenen Hämmerchen die Saiten anschlagen, erzeugen sie kristallene, einzeln perlende Töne, die sich mit der Akustik in Mannheims Schlosskirche bestens vertragen. Der technische Fortschritt macht sich besonders in den Bass-Regionen bemerkbar, die schwere Gänge, Donner-Effekte und gefühlsbetonte Abstürze erlauben.

Aus dieser Tiefe schöpft Zitterbart die Impulse für seinen "Originalklang". Der Hannoveraner Professor relativiert diesen Titel während seiner anschaulichen Einführung; als gewissenhafter Historiker muss er erwähnen, dass die Instrumentenbauer um 1800 unentwegt herumexperimentierten, sodass allenfalls von einem unter vielen Originalklängen die Rede sein kann. Auf den Hammerflügel in Mozarts Geburtshaus ging er leider nicht ein, aber es wird ohnehin deutlich, worauf es ihm ankommt: Zu vergegenwärtigen, wie es sich angehört haben mag, als Mozart die "Gewitter-Zonen" in den Variationen KV 455 und 613 oder in der Sonate KV 333 auskostete. Wer nicht täglich am Hammerflügel sitzt, ist doch sehr empfänglich für die metallischen, perkussiven Verwandlungen des Virtuos-Verschnörkelten und Geistvoll-Unterhaltenden, die Phasen von der nachdenklichen Frage bis zum Bekenntnishaften durchlaufen. Bei Haydns f-Moll-Variationen und e-Moll-Sonate übt sich der Pianist noch in gestalterischer Bescheidenheit. Er konzentriert sich zwar auf Kontraste, teils spritzig, teils strömend. Die Wucht der Bässe behält er sich für Mozart vor.

Mannheimer Morgen

Hirschberg Mai 2006

So leicht zu hören und doch so schwer zu spielen

"Mozart in der Werkhalle" - Erinnerungen drängen sich da ein bisschen auf. Furtwängler und die "Berliner" im Kabelwerk Oberspree, Schostakowitsch und die "Leningrader" ihrer belagerten Stadt. Es ist, bezieht man vergangene Zeiten mit ein, nicht ungewöhnlich, dass Klassik auch in einem ungewohnten Ambiente vermittelt wird. Und doch: Chor- und Kirchenmusik, von der kleineren Formation bis hin zum veritablen Sinfonieorchester, dazu Ballett und Folklore, Pop und Jazz in einer Aufführungsreihe und unter einem Dach stellen eine Novität in der Region dar.

Dass "Musik bewegt", dass "Kinder der Rhythmus dieser Welt" sind, haben viele Mitwirkende in den vergangenen Tagen in der "Goldbeck-Halle" in Hirschberg bewiesen. Ihren Abschluss fand diese Veranstaltungsreihe am Mittwochabend, an dem die Heidelberger Sinfoniker und ihr Dirigent Thomas Fey, zusammen mit dem Pianisten Gerrit Zitterbart, zum konzertanten Ausklang geladen hatten. Fast 400 Besucher fanden sich dazu ein.
Auch die getroffene Auswahl aus Mozarts Œuvre (immerhin hat er 28 Werke für Klavier und Orchester geschrieben) bewegte sich nicht im Bereich des Alltäglichen, des immer-wieder-und-schon-allzu-oft-Gehörten. Mit den beiden, in freundlichem "Dur" stehenden Konzerten KV 413 und 415, entstanden 1782 und 1783 in Wien, hatten die "Heidelberger" sich für eine nicht allzu schwere Kost entschieden. Mozart hat sie, soweit man es weiß, nicht als Auftragsarbeiten geschrieben, sondern sozusagen "auf Vorrat", nachdem er von Graf Arco mit einem Fußtritt aus seiner bisherigen Stellung vertrieben worden war.

Nichts von diesen misslichen Umständen findet sich in Mozarts Musik; heiter und unangestrengt wirkend musizierten das Orchester und der Solist den Allegro-Eingangssatz, ließen ihm einen geradezu "klassisch" anmutenden Larghetto-Satz folgen. Nur wenige und sehr sanfte Akzente zum sensiblen Spiel des Solisten fügte das Orchester hinzu; feiner und ausdrucksvoller kann man Mozart wohl kaum spielen. Das gilt auch ohne Einschränkung für den abschließenden Menuetto-Satz; eine feine, weich klingende Arbeit mit gut gesetzten und dennoch nie dramatisierten Akzenten.

Noch etwas mehr an Klang und Volumen zeigte das Orchester im zweiten Werk des Abends, im Klavierkonzert KV 415. Wahrhaft "mit Pauken und Trompeten", die jetzt hinzugekommen waren - fülliger wurde der Klang, ohne die Charakteristik Mozartscher Musik zu verlassen. Verhalten die ersten Takte, um dann in eine mächtige Tutti-Passage zu münden - ein Auftakt, der über brillante Soli zu eindringlich, aber nie "massig" wirkenden Orchesterpartien führte. Geradezu "seidenweich" gemacht, sowohl vom Orchester als auch vom Solisten, der klangvolle Andante-Satz; mündend in einen temporeichen und doch sanfte Passagen einschließenden Schlusssatz, mit feinem Humor musiziert. Noch darin ein paar Erinnerungen an die Pathetik des ersten Satzes und dann doch phrasenlos ins Finale geführt.

Eine interessante "Zugabe" hatte Professor Zitterbart für das Auditorium parat: Wissenswertes über das ungewöhnlich erscheinende Instrument, auf dem er musizierte - Nachbau eines "Pianoforte". Und natürlich gab es auch "echte" Zugaben; hatten sich schon Thomas Fey und "die Heidelberger" für den langanhaltenden Applaus bedankt, so konnte Gerrit Zitterbart noch etwas "draufsetzen". Gleich zwei Zugaben, eine temperamentvolle und eine etwas verhaltene. Mit denen ein ebenso heiteres wie hochkarätiges Konzert und eine ebenso wertvolle wie bereichernde Veranstaltungsreihe ihr Finale fand.

Mannheimer Morgen

Frankfurt Januar 2006

Ein Ferrari für Mozart

 „Des Wolfgangerl Compositionen in den ersten 3 Monaten nach seinem 5ten Jahre“ zeigten in der Auswahl und chronologischen Abfolge, die Gerrit Zitterbart beim Neujahrsempfang der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen vorstellte, eine rasante Entwicklung: Schon anhand der ersten, sekundenkurzen Klavierstücke mit den Köchel-Verzeichnisnummern KV 1a, b, c, d, 2, 3, 4 und 5 lasse sich nachvollziehen, wie der Wunderknabe Mozart sich mit dem Tasteninstrument von Monat zu Monat immer besser vertraut gemacht habe, erläuterte der Pianist des Abegg-Trios zu seinem Vortrag. Er spielte im Zusammenhang mit der Ausstellung "Drei Generationen Mozart in Frankfurt" (F.A.Z. vom 14. Januar), die zum Empfang offiziell eröffnet wurde und bis zum 24. Februar im Holzhausenschlößchen zu sehen sein wird, auf einem historischen Hammerflügel, einer Leihgabe aus der Sammlung Michael Günther.

Das um 1790 von Ferdinand Hofmann in Wien gebaute Instrument wäre allerdings sicherlich "ein Ferrari für Mozart" gewesen, sagte Zitterbart. Denn angefangen habe der junge Komponist auf wesentlich einfacheren Instrumenten. Eigentlich müßten seine frühesten Stücke sogar auf einem Clavichord oder Cembalo gespielt werden. Aufgeschrieben habe die Sätze anfangs noch Vater Leopold Mozart wohl in Anlehnung an Improvisationen seines Sohnes, die er noch etwas ausfeilte. Nach dem Besuch in Frankfurt im Zuge einer Konzertreise 1763 begann das kleine "Wolfgangerl" dann aber auch schon, musikalische Ideen selbst in Noten zu fixieren.

Musikalische "Explosionen" und "Quantensprünge" sind, nach Zitterbart, der sich seit langem mit historischen Tasteninstrumenten beschäftigt und seit einiger Zeit auch Konzerte auf Hammerflügeln gibt, dann in den Kompositionen des Jahres 1764 zu verzeichnen - bis hin zu dem inspirierten Klavierstück C-Dur KV 9a. In England machte die Familie Mozart im selben Jahr Bekanntschaft mit dem jüngsten Bach-Sohn Johann Christian, der schon im frühen klassischen Stil schrieb und von dem der junge "Götterliebling" zweifelsohne manche Anregung empfing. Auch lernte er in London vermutlich hervorragende neue Instrumente kennen.
Das dort in dieser Zeit entstandene, von Zitterbart besonders differenziert vorgetragene, durch die Moll-Tonart und die Harmonien tiefgängige Klavierstück g-Moll KV 15p schien diese vielfältigen Eindrücke zu spiegeln. Wie viele klangliche Facetten sich dem im Grunde nachmozartschen Hammerflügel abgewinnen lassen, demonstrierte Zitterbart schließlich am eindrucksvollsten mit zwei hochkarätigen Werken späterer Jahre: mit der Fantasie d-Moll KV 397 und der Sonate B-Dur KV 333.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Heidelberg Oktober 2004

Festival »La Passione«: Zwei Beethoven-Welten

Gerrit Zitterbarts instruktiver Klavierzyklus beim »La Passione«-Festival
»Man ist bei diesem Instrument einfach näher dran am Komponisten«: Gerrit Zitterbart, Pianist des Abegg´Trios und langjähriger Musizierpartner der Heidelberger Sinfoniker, ist ein erklärter Fan des klassischen Hammerflügels und vermittelt diese Begeisterung so ansteckend wie nur irgend denkbar. Sein an drei verschiedenen Konzertorten in Ladenburg, Neckarhausen und in Leimen präsentierter Beethoven-Zyklus im Rahmen des Festivals »La Passione« machte freilich nicht nur mit der wesentlich feineren (Holz-)Bauweise und dem besonderen farblichen Charme des historischen Tasterinstruments vertraut, sondern eröffnete auch die seltene Möglichkeit zum direkten Klangvergleich mit dem modernen Konzertflügel.

Für seine ebenso instruktive wie unterhaltsame Zeitreise in Sachen Beethoven verwendete Zitterbart eine von Michael Walker gebaute Kopie genau jenes Anton-Walter-Flügels, den der Komponist selbst zwischen 1795 und 1804 besessen. und gespielt hat Auf diesem Instrument erlebt man den kompromisslos technische wie künstlerische Grenzen ausreizenden Klangexperimentator und Ausdrucksmusiker Beethoven in aufregend neuer, ungeglätteter Intensität.
Insbesondere die den Zyklus krönende »Waldstein«-Sonate C-Dur op. 53 wurde in Zitterbarts herrlich knackiger und pointierter Hammerflügel-Wiedergabe zum echten Hörabenteuer, neben dem die vorangestellte Konzertflügel-Version – bei aller ebenbürtigen Brillanz des Vortrages – doch erstaunlich blass und konventionell wirkte.

Der unerhört farbige und griffige Sound eines solchen »Originalinstruments« erscheint in der Tat unverzichtbar, wenn man Beethovens Klavierwerke quasi von ihren Ursprüngen her begreifen will. Und dass eine gute Portion »Hammerklavier-Leichtigkeit« auch auf dem modernen Flügel keineswegs schaden kann, hat Gerrit Zitterbart ohnehin schon immer eindrucksvoll bewiesen.

»Näher dran am Komponisten« fühlte man sich bei diesem ungewöhnlich kommunikativen und entspannten, das Publikum in Fragerunden sogar aktiv einbindenden Beethoven-Zyklus in jedem Fall. Für derartige Gesprächskonzert-Reihen ist der joviale Virtuose ohne Zweifel die Idealbesetzung.
Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg, Klaus Roß


Göttingen März 2003

Im Walzer gewirbelt 

Hoch ging's her, als am sonnigen Sonntagvormittag Gerrit Zitterbart im Kinderkonzert Musik von »Robert und Peter«, also Schumann und Tschaikowsky vorstellte. Da gab es feurige Ritte auf einem Steckenpferd, sausende Schlittenfahrten durch winterliche Landschaften, ja sogar einen echten Walzer, bei dem Zitterbart die kleine Leonie aus der ersten Reihe im Kreise wirbelte.
An Tschaikowskys Kinderstücken und etlichen Stücken aus Schumanns »Album für die Jugend« machte Zitterbart einen unterhaltsamen Ausflug in die Welt der Töne, erzählte dabei auch etwas von Rhythmus, Melodie, Harmonie und Form, ohne aufdringlich zu belehren, gab Erläuterungen, stellte Fragen und erzählte Geschichten. Dabei entwarf er lebendige musikalische Bilder. Sein Publikum im Deutschen Theater unterhielt er blendend - und kultiviert.

Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer


Hannover Februar 2002

Von Terzen und Tönen – Kinderkonzert in der Musikhochschule Hannover

Bach für Siebenjährige? Mozart für Vorschüler? Warum nicht, schließlich hat Wolfgang Amadeus bereits mit fünf Jahren recht erfolgreich komponiert. Der hannoversche Pianist Gerrit Zitterbart hat jetzt in der Musikhochschule seinen zahlreichen kleinen Zuhörern eindrucksvoll demonstriert, dass noch viel mehr geht. In seiner Musik, die Geschichten erzählt, dem ersten Kinderkonzert an der Hochschule, kommt Debussys kleiner Schäfer genauso zum Zuge wie das phantastische Duett zweier Bäume vor dem Fenster von Paul Hindemith oder ein Chopin-Walzer in a-Moll.

Zitterbart versteht es dabei bestens, seinen Flügel und die Noten im Sinne der Kinder einzusetzen. Ganz nebenbei lernen die Zuhörer etwas über Terzen und Töne, dass Dur und Moll lustig und traurig oder hell und dunkel klingen und man am Schluss lieber nicht zu lange applaudieren sollte. »Dann hört der Pianist vielleicht gar nicht mehr auf.«

Die Reise in die Welt der Kompositionen hat Zitterbart mit Riesendias untermalt – von den Köpfen der Meister, schließlich lieben Kinder Bildergeschichten. Und wenn sich Zitterbart am Ende bei Beethovens »Wuth über den verlornen Groschen« austobt, ist es fast mucksmäuschenstill im Theatersaal. Das haben die Kinder schließlich gleich zu Anfang gelernt, nämlich dass »die Musik davonläuft wie ein scheues Tier im Wald, wenn es zu laut wird.« Eine gelungene Premiere, bei der auch die Erwachsenen etwas lernen können: Schließlich haben etliche musikalische Meister vor allem Stücke für ihre Kinder komponiert.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Susanna Bauch


Coburg Dezember 2002

Pianistische Initialen

»Und er ist gekommen, ein junges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten«, schrieb Robert Schumann über den 20-jährigen Johannes Brahms. Werke des Gönners und des Jüngers hatte der Klavierprofessor aus Hannover, Gerrit Zitterbart, bei seinem Klavierabend beim Coburger »Verein« im Foyer der HUK auf das Programm gesetzt, das dadurch eine große Geschlossenheit erfuhr. Das Klavier wurde bei Schumann nach einer Epoche des sinnlichen Klangreizes und brillanter Fertigkeit wieder zum Werkzeug des monologisierenden Tondichters.

In den beiden zum Vortrag gelangten Frühwerken feierte das alte Spiel mit den »musikalischen Buchstaben« fröhliche Urständ. Von dem Spätklassiker und Nachfolger Beethovens, Brahms, erklangen Spätwerke, in denen der Komponist noch einmal einen neuen Stil seiner Klaviermusik kreierte. An Stelle der pianistischen Initialen traten nun tiefe Einblicke in den Seelen- und Gemütszustand des Komponisten, nachdem die letale Krankheit bei ihm diagnostiziert worden war.

Mit seinem Opus 1, den Abegg-Variationen, schuf Schumann – wie es seiner Zeit entsprach – ein »Albumblatt«, das noch bei Hummel wurzelt. Das Thema und seine Sequenzen wurden von Gerrit Zitterbart deutlich und variabel vorgestellt, während die einzelnen Variationen in schöner Transparenz und Plastizität charaktervoll ausmusiziert waren, wobei bei stupender Technik eine Mischung aus brillantem Laufwerk und romantischem Ausdruck erzielt wurde.
Schumanns Carnaval ist sein pianistisch glänzendster Tanzzyklus, so dass er nicht von ungefähr zu einem der beliebtesten Konzertstücke avancierte. Nachdem der Gast aus Hannover des Préambule kraftvoll-hymnisch vorgestellt hatte, ließ er die Figuren der Commedia dell’Arte vergnüglich tanzen, charakterisierte die Davidsbündler Eusebius und Florestan und die Komponistenkollegen Chopin und Paganini, kostete bei allem turbulenten Faschingstreiben besonders die lyrischen Passagen voll aus, ließ die Walzer gefühl- bis schwungvoll erklingen, um den Zyklus martial mit dem »Marsch der Davidsbündler« zu beschließen, der zu einer atemberaubenden synkopierten Stretta geführt wurde.

Seine drei Intermezzi op. 117 bezeichnete Brahms einmal als »Wiegenlieder meiner Schmerzen«. Ganz im Zeichen dieses Zitates bewegte sich die Wiedergabe durch Gerrit Zitterbart. Introvertiert und melancholisch vernahm man das Es-Dur-, melodiebetont und expressiv das b-Moll- und düster empfunden und spannungsvoll das cis-Moll-Intermezzo. Attacca ließ der Meisterpianist die sieben Fantasien op. 116 folgen, wobei die drei Capriccien energiegeladen, schroff und leidenschaftlich ausgedeutet waren, während die vier Intermezzi zwischen schmerzvoller Kantabilität und Düsternis wandelten. Dabei wurden alle Sätze musikalisch tief schürfend angelegt. Eine besonders transzendente Wirkung erzielte der Künstler mit der Interpretation des E-Dur-Adagios, indem er es ganz in die Nähe der »Feldeinsamkeit« rückte.

Mit einem langsamen Sonatensatz als Zugabe »outete« Zitterbart Mozart als einen Vorläufer für die Brahmsschen Spätwerke. Durch seine informative geschliffene Moderation erweiterte Gerrit Zitterbart den Klavierabend zu einem -recital . Aber auch der Steinway der HUK hatte einen großen Anteil an einer tief beeindruckende Veranstaltung des »Vereins«.

Coburger Tageblatt, Hans Höfer


Heidelberg April 2000

Beethoven, Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op.15

… Beethovens C-Dur-Klavierkonzert op.15, als Nr.1 bei Anlaß jener Wiener Akademie vorgestellt und später auch so gedruckt, ist in Wahrheit das zweite: das B-Dur-Konzert entstand schon vor diesem, und um 1800 arbeitete der Komponist bereits an seinem dritten Solokonzert. Gerrit Zitterbart war der Solist der jetzigen Aufführung, und wieder einmal erstaunte seine pianistische Omnipotenz genauso wie die absolute Stilsicherheit seiner Interpretation. Lockere Eleganz im Überblick und die gekonnte Einbindung diffiziler Einzelheiten ins Werkganze verschmelzen bei ihm in nahezu idealer Weise, auch, wenn der etwas belanglos wirkende Largo-Satz bei gleichem Tempo durchaus etwas mehr Verinnerlichung hätte vertragen können.

Bei der nach dem rasant verlaufenden Finalsatz gewährten Zugabe war man allerdings an jenem Punkt angelangt, an dem Beethoven seinerzeit zu »fantasieren« begann: Zitterbart zog sich virtuos aus der Affäre mit einer Originalkadenz des Komponisten zum Kopfsatz des gehörten Konzerts, die dieser notiert, aber abgebrochen hatte. Zitterbart führte sie zu einem furiosen Ende.

Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg, Matthias Roth


Hinterzarten Juni 2000

Mozart, Klavierkonzerte KV 246, KV 271

… Schließlich ist Gerrit Zitterbart ein Pianist, der nicht nur sehr pointiert, sondern außerdem noch ideenreich und mit viel gestalterischem Witz zu spielen versteht. Und der noch zusätzlich über die Gabe der klangfarblichen Mimikry am Klavier verfügt: der also etwa seinen Anschlag der Tonproduktion bei Streicher-Pizzicati annähert, der sich ins Orchestertutti einschleichen kann wie auf samtenen Tatzen.

In Belangen der gestalterischen Detailarbeit sind Orchester und Solist oft fantastisch aufeinander eingespielt. Davon profitierte Mozarts »Jeunehomme«-Konzert (KV 271) ebenso wie das deutlich konventionellere Konzert KV 246, das Mozart auf die dilettantischen Tastenkünste Antonia Lützows, einer Nichte des Salzburger Erzbischofs Colloredo, zuschnitt (eine Tatsache, die Zitterbart auf virtuose Weise kaschierte).

Badische Zeitung, Susanne Benda


Frankfurt Juni 2000

Mozart, Klavierkonzerte KV 238, KV 246, KV 271

… Das Resultat: ein leichtes und elegantes Spiel voller Frische. Ohne übertriebene Interpretations-Gags zu bemühen, gaben die Orchestermusiker und der Pianist dem B-Dur-Konzert ihr eigenes Gepräge. Schroff abgeteilte Phrasen in der Orchester-Exposition des Allegro aperto, durch Dämpfer auf den Streichern zusätzlich reduzierter Klang im Andante un poco adagio und die turbulenten, stets flüssigen Piano-Passagen im Rondo: Das innige Zusammenspiel von Orchester und Pianist spiegelte wider, wie Mozart sich im engen Rahmen der höfischen Musik eigene expressive Wege suchte.

Frankfurter Rundschau, Volker Schmidt


Heidelberg Februar 1999

Mozart, Klavierkonzert KV 37

Das erste Klavierkonzert (1767, KV 37) klingt demgegenüber »gereifter« – was auch kein Wunder ist: Mozart borgte sich ein paar Sätze von Klaviersonaten aus, die Zeitgenossen komponiert hatten, instrumentierte und korrigierte sie teilweise – und nicht ungeschickt … Der Pianist Gerrit Zitterbart und die Sinfoniker beleuchteten diese frühe Arbeit als selten gespieltes Kleinod der Klavierliteratur in vielfach wechselnden Farben. Zitterbarts manuelle Geläufigkeit und differenzierende Formulierungskunst waren, wie die gute Disposition des Orchesters, hierzu die besten Voraussetzungen. Dabei veredelte man die drei Sätze durch reiche seelische Empfindung und intelligenteste musikalische Gestaltung. Zitterbart ist ein Mozart-Interpret, bei dem sich gedankliche Tiefe und spielerische Leichtigkeit ungewöhnlich harmonisch und natürlich miteinander verbinden.

Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg, Matthias Roth


Heidelberg März 1999

Haydn, Klavierkonzert D-Dur

Allerhöchstes Haydn-Vergnügen… Der zweite Teil des Abends servierte mit dem sogenannten »Zigeunertrio« G-Dur Hob.XV:25 und dem ebenfalls vertraut folkloristisch gewürzten D-Dur-Klavierkonzert Hob.XVIII:11 die zwei pianistischen Haydn-Hits schlechthin. Kaum allerdings dürfte man diese beiden Publikumslieblinge par excellence je so funkensprühend und temperamentssatt, so beherzt und innig animiert, so betörend charmant und detailverliebt, so musikantisch-spontan und dennoch hinreißend espriterfüllt, in ihren formalen Proportionen wie in ihrem klanglichen Kolorit so instinktsicher gewichtet und nuanciert gehört haben wie hier. Beim ungarisch-rassig beschlossenen D-Dur-Konzert sorgten die Sinfoniker für nachgerade phänomenal quick und agil pulsierende Partnerschaft. Das verdiente die enthusiastischsten Ovationen des Abends.

Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg, Klaus Roß