Klavierkonzerte & Konzertarie mit Soloklavier

Die Soloparts der beiden Klavierkonzerte bewältigt und gestaltet Zitterbart mit Elan und Übersicht für die expressiven und klavierformalistischen Nuancen. Er macht somit im Verlauf der jeweils solistisch „geschmackvoll“ einleitenden „Ich-Passagen“Appetit auf das Originale. Und er lässt es sich auch nicht nehmen, das im Allgemeinen leider sehr gedehnt und breit angelegte „Elvira Madigan“-Andante (KV 467) in der Melodieführung zu straffen, wodurch jede Art feierlicher Weinerlichkeit unterbunden wirkt – und zugleich auch die Vermummung eines klingenden Andante-Antlitzes hinter einer romantisierenden Adagietto-Maske.
                                                                                      Klassik heute 2015

Wem an historischer Aufführungspraxis liegt, der wird viel an dieser Einspielung finden. Gerrit Zitterbart am Hammerflügel und die Norddeutsche Kammerphilharmonie unter der Leitung von Thomas Dorsch finden einen Klang, der filigran und leicht auf jegliche romantische Wucht oder Verzärtelung verzichtet. Die Verortung im 18. Jahrhundert und die geschichtlichen Wurzeln werden deutlich hervorgehoben. Sopranistin Heidrun Blase fügt sich stimmlich ein, ohne ganz auf Vibrato zu verzichten … ihre sanfte, leichte und bewegliche Stimme ist ideal für das Liedrepertoire.
Klassik.com 2015
 
Entschlackter Klang
Nein, es ist kein Schlankheitswahn. Die historische Aufführungspraxis hat, zuerst auf dem Gebiet der Barockmusik, das seit dem 19. Jahrhundert üblich gewordene kraftvoll-satte Klangideal zurückgeführt auf einen durchsichtigeren, beweglicheren Sound, den man anhand des Instrumentariums und schriftlicher Zeugnisse rekonstruieren konnte.
Dieses Konzept hat inzwischen auch den Klang späterer Epochen entschlackt. In seinem Clavier-Salon führt der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart seit knapp drei Jahren vor, wie Musik für Tasteninstrumente im 18. und 19. Jahrhundert geklungen hat: schärfer konturiert, silbrig im Ton, mit prägnanten, niemals dumpfen Bässen, die den Gesamtklang nicht dominieren.
Das zeigt Zitterbarts neue Mozart-Doppel-CD in verschiedenen musikalischen Genres auf Hammerflügel-Nachbauten, die Instrumente von Anton Walter aus Mozarts Spätzeit zum Vorbild haben. Die Klavierkonzerte C-Dur KV 467 und A-Dur KV 488 besitzen in dieser Version eine unnachahmliche kernige Zartheit. Zitterbart formt seinen Solopart liebevoll mit Spielfreude. Die Norddeutsche Kammerakademie unter Thomas Dorsch ist ihm ein solider Partner, hier und da nicht ganz präzise, aber im Ansatz geistesverwandt.
Mit der ausgesprochen frisch musizierten Ouvertüre zum „Schauspieldirektor“ KV 486 leitet das Orchester über in den Bereich der Oper mit Sopranarien aus „Così“ und „Figaro“. Hier kann die in Hildesheim lehrende Sopranistin Heidrun Blase ihre schlanke, hell timbrierte Stimme wunderschön strömen lassen. Der sparsame Vibratoeinsatz ist stilsicher, die galant-ausdrucksvolle Gestaltung ebenfalls. In sechs Klavierliedern zeigen Blase und Zitterbart ihre entwickelte kammermusikalische Partnerschaft.
Das Finale der Doppel-CD ist eine Rarität: die orchesterbegleitete Konzertarie „Ch’io mi scordi di te?“ KV 505, in der ein Soloklavier mit dem Gesang in Dialog tritt. Eine besondere Perle Mozartscher Vokalkunst.
Michael Schäfer
 Göttinger Tageblatt 2015